ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Verdacht auf Nephrolithiasis: Initialer Ultraschall ist so sicher zur Abklärung wie das Abdominal-CT

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Verdacht auf Nephrolithiasis: Initialer Ultraschall ist so sicher zur Abklärung wie das Abdominal-CT

Dtsch Arztebl 2014; 111(47): A-2068 / B-1758 / C-1682

Siegmund-Schultze, Nicola

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Starke Schmerzen im Abdomen sind häufig Ursache von stationären Notaufnahmen und können auf Nierensteine hinweisen. Zur Abklärung des Verdachts eignen sich grundsätzlich Sonographie und Abdominal-Computertomographie (CT). Das CT hat eine hohe diagnostische Sensitivität bei Nephrolithiasis, setzt aber natürlich den Patienten ionisierender Strahlung aus. In einer multizentrischen Studie an 15 stationären Notaufnahmeabteilungen US-amerikanischer Lehrkrankenhäuser ist die Sicherheit der Diagnostik beider Methoden miteinander verglichen worden. 2 759 Patienten im Alter zwischen 18 und 76 Jahren und Symptomen, die vereinbar mit Nephrolithiasis waren – zu den möglichen Differenzialdiagnosen gehören Cholezystitis, Appendizitis oder andere Darm­er­krank­ungen und Aortenaneurysmen – sind randomisiert worden in drei Gruppen: Ultraschall (US) durch Notärzte (n = 908) oder durch einen Radiologen (n = 893) oder Abdominal-CT (n = 958). Die 3 Gruppen wurden anschließend bezüglich der 30-Tages-Inzidenz von diagnostizierten Hochrisikokomplikationen, die auf nicht oder verzögert erkannte Nierensteine zurückzuführen waren, und in Bezug auf die kumulative Strahlenbelastung in den 6 Monaten nach Randomisierung verglichen (primärer Endpunkt).

Die Inzidenz der Hochrisikodiagnosen mit Komplikationen war mit 0,4 % gering und unterschied sich nicht signifikant in den Gruppen (0,7 % US durch Notärzte; 0,3 % US durch Radiologen; 0,2 % Abdominal-CT; p = 0,30).

Auch die Häufigkeit erneuter Notaufnahmen oder die Dauer der Schmerzzustände differierten nicht erheblich zwischen den Patienten der drei Studienarme.

Hochsignifikante Unterschiede gab es aber in der kumulativen Strahlenbelastung: Sie betrug durchschnittlich 10,1 Millisievert (mSv) und 9,3 mSv bei den per Ultraschall untersuchten Patienten und 17,2 mSv in der Abdominal-CT-Gruppe (p < 0,001).

Fazit: Bei Verdacht auf Nephroli-thiasis ist einer großen, randomisierten Studie aus den USA zufolge die sonographische Bildgebung so sicher für die Abklärung wie das Abdominal-CT mit dem Vorteil, dass eine Strahlenexposition des Patienten vermieden wird.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Smith-Bindman R, Aubin C, Bailitz J, et al.: Ultrasonography versus computed tomography for suspected nephrolithiasis. New Engl J Med 2014; 371: 1100–10.

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