ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Frakturen bei Kindern: Ibuprofen eignet sich gut für die Analgesie bei starken Schmerzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frakturen bei Kindern: Ibuprofen eignet sich gut für die Analgesie bei starken Schmerzen

Meyer, Rüdiger

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Frakturen machen 10 bis 25 % der Verletzungen bei Kindern aus. Für die Schmerzstillung war Codein lange ein für Kinder beliebter Wirkstoff, es gab aber vereinzelt tödliche oder lebensbedrohliche Intoxikationen. Als Alternativen kommen Morphin und nicht-steroidale antiinflammatorische Substanzen infrage. In einer randomisierten Studie haben kanadische Pädiater untersucht, ob oral gegebenes Morphin nach unkomplizierten Frakturen vergleichbar effektiv ist wie Ibuprofen. 183 Kinder im durchschnittlichen Alter von 10,8 Jahren (Altersspanne: 5–17 Jahre) wurden nach nichtoperativer Versorgung eines Knochenbruchs im Bereich der Extremitäten entweder mit Morphin (oral 0,5 mg/kg; maximal 10 mg) oder Ibuprofen (oral 10 mg/kg, maximal 600 mg) behandelt. Die Kinder sollten die Tabletten bei Schmerzen alle 6 Stunden einnehmen, maximal 4 Tabletten am Tag. Durchbruchschmerzen sollten mit Paracetamol (Dosis 15 mg/kg, maximal 975 mg) behandelt werden.

Primärer Endpunkt war die Linderung des Schmerzes nach der ersten Dosis, die mit einer Gesichterskala (Faces Pain Scale – Revised [FPS-R]) beurteilt wurde. Die Medikamente hatten eine vergleichbar gute Wirkung. In der Morphingruppe waren tendenziell Therapien von Durchbruchsschmerzen mit Paracetamol häufiger als unter Ibuprufen (25,7 versus 14,7 %).

Ibuprofen wurde besser vertragen: Die Häufigkeit von unerwünschten Effekten wie Schläfrigkeit (34,8 versus 20,6 %), Übelkeit (27,3 versus 5,9 %) und Erbrechen (12,1 versus 2,9 %) war unter Morphingabe deutlich höher. Deshalb raten die Autoren zu Ibuprofen als sicherer und wirksamer Therapie in der ambulanten Analgesie von Frakturen bei Kindern.

Fazit: Ibuprofen eignet sich gut für die Schmerztherapie von Kindern nach Knochenbrüchen und hatte in einer randomisierten Vergleichsstudie weniger unerwünschte Effekte als Morphin. Rüdiger Meyer

Poonai N, Bhullar G, Kangrui L, et al.: Oral administration of morphine versus ibuprofen to manage postfracture pain in children: a randomized trial. CMAJ 2014; DOI 10.1503/cmaj.140907

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