ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Arzt-Patienten-Kommunikation: Kein „alter Hut“

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Arzt-Patienten-Kommunikation: Kein „alter Hut“

Richter-Kuhlmann, Eva

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Kassenärztliche Bundesvereinigung und Bundes­ärzte­kammer wollen das ärztliche Gespräch neu aufwerten und gemeinsam verstärkt in den Fokus stellen.

Empathie trotz Routine: Die Minuten des Gesprächs mit dem Arzt sind für den Patienten oft das Wichtigste beim Arztbesuch. Foto: mauritius images
Empathie trotz Routine: Die Minuten des Gesprächs mit dem Arzt sind für den Patienten oft das Wichtigste beim Arztbesuch. Foto: mauritius images

Mit unseren Patienten sprechen – das können wir doch, meinen nicht wenige Ärztinnen und Ärzte. Workshops und Fortbildungen zur Arzt-Patienten-Kommunikation sind für sie mehr oder weniger „alte Hüte“ und höchstens für Medizinstudierende relevant. Auf die Bedeutung des wiederholten Trainings eines guten Arzt-Patienten-Gesprächs wiesen jetzt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) mit ihrer Kooperationstagung „Therapie: Gespräch“ am 8. November in Berlin hin.

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Die beiden Organisationen sind sich einig: Gerade weil die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zur alltäglichen Tätigkeit von Ärzten gehört, müssen Kommunikationstrainings in der Aus-, Weiter- und Fortbildung vermehrt verankert werden. „Gute Kommunikation entspricht den Erwartungen von Patienten und Patientinnen und dem beruflichen Selbstverständnis von Ärztinnen und Ärzten“, betonte Dr. med. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer und Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Dennoch bestehe zunehmend die Gefahr, dass Ärzte aus dieser zentralen Rolle herausgedrängt würden. Dazu trage die Technisierung und Spezialisierung in der Medizin bei, aber auch Zeitmangel und Fehlanreize durch die Vergütungssysteme.

Ärztliche Haltung zählt

Für den langjährigen Hausarzt ist Kommunikation zudem weit mehr als nur ein Erlernen von Kommunikationstechniken: „Es ist eine Frage der ärztlichen Haltung gegenüber dem Patienten und den Mitgliedern des Behandlungsteams“, betonte er. Diese Haltung müsse in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung ebenso vermittelt werden wie die reinen Kommunikationstechniken.

Während früher das Gespräch zwischen Arzt und Patient neben der körperlichen Beobachtung und Untersuchung das wichtigste, manchmal das einzige diagnostische Mittel dargestellt habe, sei es mit dem technischen Fortschritt zunehmend in den Hintergrund getreten, analysierte Dr. med. Bernhard Gibis von der KBV. Dennoch sei das Gespräch mit den Patienten auch heute noch eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg einer Therapie. Deshalb gelte es, dieser Entwicklung entgegenzutreten: „In einer Zeit, in der sehr viele Patienten ihre Symptome erst einmal googeln, bevor sie in der Praxis ankommen, brauchen wir mehr denn je kommunikativ geschulte und fähige Ärzte, die die Dinge einordnen und erklären“, betonte er.

Die entsprechenden Fähigkeiten dazu sollten nicht nur einmalig im Studium erlernt werden. Da sie vielmehr immer wieder geübt und weiterentwickelt werden müssten, habe die KBV aktuell eine Checkliste zur Arzt-Patienten-Kommunikation entwickelt, berichtete Gibis. Zudem setze sie sich derzeit im Zuge der Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs dafür ein, der sprechenden Medizin auch in der Vergütung den Stellenwert einzuräumen, der ihr gebühre.

Im Medizinstudium habe das Thema Kommunikation bereits seit einigen Jahren eine Art Renaissance erlebt, erklärte Prof. Dr. med. Stefan Wilm, Hausarzt und Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Die Universitäten legten – insbesondere in den Modell- oder Reformstudiengängen – verstärkt Wert darauf, dass die Studierenden frühzeitig mit Patienten in realen Alltagssituationen in Kontakt kommen und in entsprechenden Trainings kommunikative Kompetenz erwerben. Dabei wies er auch auf die unterschiedliche Kommunikation von Spezialisten und Hausärzten mit ihren Patienten hin. „Auch die Entscheidungsfindung ist unter Umständen anders“, sagte er. Wichtig sei es jedoch für alle Ärzte, empathisch zuhören, vermitteln und erklären zu können.

Gemeinsame Entscheidungen

„Die Sachebene ist nur die Spitze des Eisbergs“, meinte auch die Psychologin Dr. phil. Corinna Bergelt vom Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sie unterstrich die Bedeutung einer guten Arzt-Patienten-Beziehung für eine partizipative Entscheidungsfindung. Diese sei sinnvoll, wenn es mehrere gleichwertige Therapieoptionen gebe, die aber eventuell unterschiedliche Konsequenzen für das Leben des Patienten haben könnten. Voraussetzung sei auch, dass der Patient eine aktive Beteiligung wünsche. Dies sei Studien zufolge aber bei der Mehrzahl der Patienten der Fall.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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