ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2014Praxisfinanzierung von Hausärzten: Wieder mehr Newcomer auf dem Land

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Praxisfinanzierung von Hausärzten: Wieder mehr Newcomer auf dem Land

Clade, Harald

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Die Aufhebung der Residenzpflicht zeigt Wirkung.

Für Hausärztinnen und Hausärzte sind ländliche Regionen bei Existenzgründungen wieder etwas beliebter geworden. Innerhalb der letzten beiden Jahre hat sich der Anteil der Existenzgründungen von Hausärzten außerhalb der Mittel- und Großstädte verdoppelt. Dennoch gibt es auf dem Land einen Hausärztemangel; die Versorgungssituation dürfte auch künftig angespannt bleiben. Dies ist ein Ergebnis der Existenzgründungsanalyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Grundlage der Analyse waren von der Apobank finanzierte Niederlassungen von Hausärzten.

Ergebnisse der Existenzgründungsanalyse

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Hausärzte bilden unverändert die größte Gruppe unter den ärztlichen Newcomern, wie der Invest-Monitor Ärzte der Apobank und des Zentralinstituts in der „Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2013“ ermittelt hat. Allerdings liegt der Anteil der sich neu niederlassenden Hausärzte deutlich unter dem Anteil der Hausärzte an sämtlichen Vertragsärzten. Obwohl Hausärzte (praktische Ärzte, Fachärzte für Allgemeinmedizin und hausärztlich tätige Internisten) rund 44,2 Prozent der Vertragsärzte repräsentieren, liegt ihr Anteil bei den Existenzgründungen nur bei 26,3 Prozent. 2012 betrug der vergleichbare Anteil bei den Existenzgründungen 25,6 Prozent im Westen und 33,6 Prozent im Osten Deutschlands.

Der Report wertet dies als ein Indiz dafür, dass es immer schwieriger wird, den Hausärztemangel durch Niederlassungen zu kompensieren und „Grundversorgern“ eine ausreichende Existenzmöglichkeit zu bieten. Für den Fall, dass sich kurzfristig keine Trendwende einstellen sollte, könnte der Hausärztemangel sogar noch stärker spürbar und zahlreiche Hausarztpraxen geschlossen werden, so Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmarkt und -politik der Apobank.

Ungeachtet dessen ist eine Wende festzustellen: 2012/2013 ließ sich mehr als jeder Zehnte (11,5 Prozent) in einer Region mit weniger als 5 000 Einwohnern nieder. Damit hat sich die Zahl jener Hausärzte, die ländliche Regionen als Praxisstandort bevorzugen, seit 2010/2011 nahezu verdoppelt. Die Analysten führen dies auf die Aufhebung der Residenzpflicht im Jahr 2012 zurück. Festgestellt wurde, dass Landarztpraxen trotz des Kostendrucks wirtschaftlich gut dastehen. Während in den früheren Jahren sich fast jeder ärztliche Existenzgründer für eine Berufstätigkeit in einer Kooperation entschied (46,2 Prozent), bevorzugt mittlerweile mehr als jeder zweite Existenzgründer (57,9 Prozent) wieder eine Einzelpraxis. Dies ist kein Indiz für eine Abkehr vom Zuzug zur beruflichen Kooperation, denn viele Hausärzte beabsichtigen, in Einzelpraxen mittelfristig einen Kollegen anzustellen. Bereits bei der Niederlassung wird oftmals der Wunsch geäußert, sich auch in Verbünden und Ärztenetzen zu engagieren, so etwa in der hauszentrierten Versorgung. 42,1 Prozent der Existenzgründer wählen die klassische Praxisübungsgemeinschaft. Bei den Vertragsärzten liegt dieser Anteil bei 40,5 Prozent.

Der Start in die Praxis kostet im Schnitt 109 000 Euro

Die meisten Hausärzte entscheiden sich für eine Kooperation in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG), die mit 34,8 Prozent repräsentiert ist. Praxisgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sonstige Formen der gemeinsamen Berufsausübung spielen mit 7,3 Prozent eine eher untergeordnete Rolle.

Das durchschnittliche Investitionsvolumen betrug im Jahr 2012/ 2013 rund 109 000 Euro, bei einer Spannweite zwischen 92 000 Euro und 115 000 Euro – je nach Schwerpunkt der Praxis. Die höchsten Finanzierungsvolumina fallen mit 115 000 Euro bei der Übernahme einer Einzelpraxis an. 67 Prozent der Investitionen (77 000 Euro) entfallen auf den Übernahmepreis, der an den abgebenden Praxisinhaber fällig war.

Ein Kooperationspartner, der in eine bereits bestehende BAG eintrat, musste vor zwei Jahren mit 112 000 Euro rechnen. Hausärzte, die den Kapitalanteil eines ausscheidenden Partners an einer BAG übernehmen, investieren durchschnittlich 104 000 Euro. Wer mit einem bereits niedergelassenen Arzt eine Gemeinschaftspraxis/BAG gründet, wendet 103 000 Euro auf. Ein Arzt, der eine BAG übernimmt, zahlt 99 000 Euro. Die Finanzierung einer Einzelpraxis von Hausärzten war mit 92 000 Euro relativ günstig – im Vergleich zur Übernahme und dem Beitritt in eine Praxis.

Ärzte sind risikofreudiger als Ärztinnen

Die meisten Hausärzte wollen sich nach wie vor in der Großstadt niederlassen.
Grafik 1
Die meisten Hausärzte wollen sich nach wie vor in der Großstadt niederlassen.
Wenn Kooperation, dann in der Berufsausübungsgemeinschaft
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Wenn Kooperation, dann in der Berufsausübungsgemeinschaft
Eine gut gehende Hausarztpraxis zu kaufen, ist der teuerste Weg in die Selbstständigkeit.
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Eine gut gehende Hausarztpraxis zu kaufen, ist der teuerste Weg in die Selbstständigkeit.

Zwei Einflussgrößen bestimmen das Investitions- und Kreditvolumen bei Existenzgründungen: Männer investieren in der Regel deutlich „offensiver“ als Frauen. Das durchschnittliche Volumen liegt bei 123 000 Euro. Dies sind 29,5 Prozent mehr als das Finanzierungsvolumen von Hausärztinnen. Fokussiert auf den Indikator „Alter“ zeigt sich, dass jüngere Existenzgründer durchschnittlich mehr aufwenden müssen als ältere Kolleginnen und Kollegen. So finanzieren Existenzgründer, die 40 Jahre und jünger sind, im Durchschnitt 118 000 Euro. Hausärzte, die zwischen 41 und 45 Jahre alt sind, investieren dagegen 106 000 Euro; die Altersgruppe ab 45 Jahren 98 000 Euro. Nach Praxislage das Finanzierungsvolumen analysiert, kosten die Existenzgründungen in mittelgroßen Städten rund 114 000 Euro. Es folgen großstädtische Lagen (108 000 Euro), ländliche Gebiete (107 000 Euro) und Standorte in Kleinstädten und auf dem Land (106 000 Euro).

Im Gegensatz zu früheren Jahren ist jetzt feststellbar, dass sich die meisten Hausärzte zunehmend später selbstständig machen. Im Durchschnitt hat der Arzt das 41. Lebensjahr bereits vollendet, wenn er den Sprung in die Selbstständigkeit wagt (42 Prozent). Mehr als jeder Vierte entscheidet sich zwischen 41 und 45 Jahren für diesen Schritt (27,7 Prozent). Jeder dritte Existenzgründer ist älter als 45 Jahre (30,3 Prozent). Durchschnittsalter: 42 Jahre. Der Anteil der Hausärztinnen unter den hausärztlichen Gründern beträgt 41,2 Prozent.

Dr. rer. pol. Harald Clade

Marktführer Apobank

Die Apobank ist unverändert Marktführer bei der Finanzierung von Existenzgründungen im Sektor der akademischen Heilberufe. Über drei akademische Heilberufe hinweg werden mehr als 60 Prozent aller fremdfinanzierten Investitionen über die Standesbank abgewickelt. Bei den sich neu niederlassenden Ärzten sind das 64 Prozent, bei den selbstständig werdenden Apothekern rund 63 Prozent und bei den sich niederlassenden Zahnärzten rund 58 Prozent.

Jährlich stellt die Bank mehr als zwei Milliarden Euro an Krediten für Existenzgründungen sowie Praxis- und Apothekeninvestitionen zur Verfügung. Davon entfallen rund 1,4 Milliarden Euro auf Ärzte. Dieses Volumen hat sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert. Im Sektor der Gesundheitswirtschaft haben sich neben der Apobank vor allem die Deutsche Bank AG, die Commerzbank AG und einige Regionalbanken als Branchenfinanzier etabliert.

Quelle: apoBank/ZI

Die meisten Hausärzte wollen sich nach wie vor in der Großstadt niederlassen.
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Die meisten Hausärzte wollen sich nach wie vor in der Großstadt niederlassen.
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Eine gut gehende Hausarztpraxis zu kaufen, ist der teuerste Weg in die Selbstständigkeit.
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Eine gut gehende Hausarztpraxis zu kaufen, ist der teuerste Weg in die Selbstständigkeit.

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