ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1999Arbeitszeiten im Krankenhaus: Neue Modelle beheben Personalmangel nicht

THEMEN DER ZEIT: Berichte

Arbeitszeiten im Krankenhaus: Neue Modelle beheben Personalmangel nicht

Dtsch Arztebl 1999; 96(13): A-844 / B-700 / C-654

Maus, Josef

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LNSLNS Die Zwischenergebnisse eines nordrhein-westfälischen Pilotprojekts mit 19 Krankenhäusern stimmen nachdenklich.


Das Arbeitszeitgesetz soll die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus nachhaltig verbessern. Die Ergebnisse bleiben jedoch in vielen Fällen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dies belegt eine Untersuchung von 282 Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen. Dort leisten mehr als 90 Prozent der Ärzte eine tägliche Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden, mehr als ein Drittel hält die ununterbrochene Ruhezeit von 5,5 Stunden nicht ein.
Alles scheitert am hohen Rationalisierungsdruck
Vor diesem Hintergrund hat im April 1997 im bevölkerungsstärksten Bundesland ein zweijähriges Modellprojekt begonnen, an dem 19 Krankenhäuser teilnehmen und dessen Name zugleich Programm ist: "Beschäftigungswirksame Arbeitszeit- und Organisationsmodelle im Krankenhaus." Das nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­terium stellte jetzt in Düsseldorf die Ergebnisse einer ersten Auswertung vor.* Fazit: Neue Formen der Arbeitszeit (etwa mehr Teilzeitarbeit) oder neue Arbeitszeitmodelle können zwar einige Verbesserungen bewirken. Einen positiven Beschäftigungseffekt haben sie jedoch nicht, weil der Rationalisierungsdruck auf die Krankenhäuser enorm hoch ist.
Diese ernüchternde Erkenntnis ist für den Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Ingo Flenker, keineswegs überraschend. Sein Resümee aus dem Versuch lautet: "Wir können die hohe Qualität der Patientenversorgung in den Krankenhäusern insbesondere bei Belastungsspitzen nicht aufrechterhalten, wenn nicht endlich mehr Ärztinnen und Ärzte eingestellt werden." Flenkers Krankenhaus hat selbst an dem Modellprojekt teilgenommen, so daß er die Auswirkungen der neuen Arbeitszeitmodelle aus eigener Anschauung kennt. "Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen", faßt der Präsident der Ärztekammer zusammen, "ist eine bloße Veränderung der Arbeitszeit, wie wir sie erprobt haben, nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein."
Die Zwischenergebnisse des Modellprojekts können nach Flenkers Aufassung dennoch "produktiv" genutzt werden - um bei der Politik und den Kostenträgern der Krankenhäuser einen Umdenkungsprozeß in Gang zu setzen. Beim Personal gebe es keine nennenswerten Rationalisierungspotentiale mehr. Flenker verweist auf die Vielzahl der Überstunden im Krankenhaus: "Das zeigt doch, daß mehr Arbeit anfällt, als von den zur Zeit beschäftigten Mitarbeitern geleistet werden kann."
Flenker: "Wir brauchen dringend mehr Ärzte"
Seit Jahren habe die Leistungsdichte in den Krankenhäusern zugenommen: Es gibt immer mehr vollstationär versorgte Patienten bei einer immer kürzer werdenden durchschnittlichen Verweildauer. Der Ärztekammerpräsident fordert deshalb von der Politik: "Wir brauchen dringend mehr ärztliche Mitarbeiter an den Krankenhäusern." JM

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