TECHNIK

Technische Assistenzsysteme: Forschung für altersgerechte Lösung

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2128 / B-1804

Krüger-Brand, Heike

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In den Projekten BeMobil und KogniHome sollen Technologien für ein selbstbestimmtes und mobiles Leben im Alter entwickelt und erprobt werden.

Abbildung: Fotolia/germina
Abbildung: Fotolia/germina

Bereits im Jahr 2030 wird fast ein Drittel der Menschen in Deutschland älter als 65 Jahre sein. Experten gehen davon aus, dass der Bedarf an technischer Unterstützung weiter zunehmen wird. Vor diesem Hintergrund fließen seit Jahren in den Bereich Ambient Assisted Living (AAL, altersgerechte Assistenzsysteme) erhebliche Forschungsgelder. Marktfähige Produkte und Dienstleistungen sind bislang jedoch rar. Der Bund will daher gezielt Technologien fördern, die sich stärker an den Bedürfnissen der Menschen im Alter orientieren. „Nicht alles, was technisch möglich ist, stellt im Alltag auch tatsächlich eine Hilfe dar“, betonte Bun­des­for­schungs­minis­terin Johanna Wanka beim offiziellen Start zweier großer AAL-Verbundprojekte Anfang Oktober in Berlin. „Uns muss es daher gelingen, dass sich die Technik dem Menschen altersgerecht anpasst.“

Im Rahmen des Förderschwerpunktes „Mensch-Technik-Interaktion im demografischen Wandel“ investiert das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis zum Jahr 2017 circa 19,5 Millionen Euro in die Förderung dieser Innovationscluster, die in den nächsten drei Jahren untersuchen, wie sich unterstützende, lernende und vertrauenswürdige technische Systeme für den Alltag realisieren lassen (Informationen unter www.mtidw.de).

KogniHome – die „mitdenkende“ Wohnung

Umfragen zufolge wollen mehr als drei Viertel der 65- bis 85-Jährigen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Das Projekt KogniHome, das von der Universität Bielefeld (Prof. Dr. Helge Ritter) koordiniert wird, setzt hier an und erforscht, wie mit vernetzten Technologien der Wohnalltag erleichtert werden kann. Die „mitdenkende“ Wohnung soll dabei für die Lebensbereiche Kochen/Küche, Eingangsbereich und individualisiertes Gesundheitstraining umgesetzt werden.

Ziel ist eine Technik, die eine natürliche Interaktion über Sprache und Gestik ermöglicht. So soll der Avatar Billie als digitaler Ansprechpartner künftig Senioren mit kognitiven Beeinträchtigungen bei alltäglichen Aufgaben unterstützen, indem er etwa an Termine erinnert, bei der Tagesplanung hilft oder zur Videotelefonie mit Freunden einlädt. Gegenüber einer bloßen Stimme bietet ein Avatar erweiterte Kommunikationsmöglichkeiten: Er kann mit Mimik und Gestik den Dialog um nonverbale Information ergänzen und beispielsweise durch Blick und Bewegung verdeutlichen, von welchem Objekt er gerade spricht. Im Projekt wird auch untersucht, inwiefern sich solche sozialen Funktionen technischer Systeme als nützlich erweisen. An dem Projektvolumen von 12,9 Millionen Euro beteiligt sich das BMBF mit 66 Prozent.

BeMobil – intelligente Bewegungsrehabilitation

Im Forschungsprojekt BeMobil, das von der Technischen Universität Berlin (Prof. Dr.-Ing. Marc Kraft) koordiniert wird, geht es um die Entwicklung eines technischen Physiotherapeuten, der den Menschen rund um die Uhr begleiten und in der Bewegungstherapie unterstützen kann. So soll etwa eine neuartige Orthese motorisch eingeschränkten Menschen dabei helfen, die Bewegungsfähigkeit und Alltagsmobilität wiederzuerlangen. Sie erfasst dabei die Bewegungen des Patienten und erkennt nachteilige Verhaltensmuster, die etwa zu Stürzen führen können. Der Patient erhält gezielte Rückmeldungen, wie er seine Motorik verbessern kann. Künftig könnten so an die individuelle Situation angepasste Motivationskonzepte und verhaltenstherapeutische Strategien auch gemeinsam mit dem behandelnden Arzt erstellt werden. Für BeMobil beträgt das Projektvolumen 15,3 Millionen Euro, das BMBF übernimmt einen Anteil von 72 Prozent.

Neben Alltagstauglichkeit und Nutzerfreundlichkeit sollen in den Clustern auch ethische und rechtliche Fragen, etwa zum Datenschutz, untersucht werden. Durch diesen integrierten und interdisziplinären Ansatz, der die Nutzerperspektive von Anfang an mit einbezieht, erhofft man sich, dass die in den Projekten entwickelten Lösungen, insbesondere von älteren Menschen angenommen werden. Vorgesehen ist zudem die regionale Erprobung mit Anwendern, kommunalen Akteuren und Anbietern bis hin zur Entwicklung fertiger Produkte.

Heike E. Krüger-Brand

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