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Sri Lanka: Die Wolkenmädchen

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): [76]

Uhlmann, Ulrich

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Mitten im flachen Land zwischen Dschungel und Reisfeldern, Stauseen und fernen Bergen, ragt im Norden Sri Lankas ein gigantischer Felsblock in den Himmel. Vor etwa 1 500 Jahren war er Teil einer wehrhaften Palastanlage: Sigiriya, seit 1982 UNESCO-Weltkulturerbe. Geblieben sind von der Felsenfestung nur Ruinen und ein einmaliger Rundumblick in weite Ferne.

„Die Damen locken mich“: Felszeichungen aus dem 5. Jahrhundert auf dem Weg zum Gipfel des Sigiriya
„Die Damen locken mich“: Felszeichungen aus dem 5. Jahrhundert auf dem Weg zum Gipfel des Sigiriya

Wir machen uns bereit für den schweißtreibenden, zweistündigen Aufstieg. Anfangs geht es gemächlich dahin durch symmetrisch gestaltete Lustgärten, vorbei an Wasserspielen und Teichen. Dann kommen die ersten steinernen Treppenstufen, später auch enge, metallene Wendeltreppen. 1 860 Stufen müssen bis zum Gipfelplateau bezwungen werden.

Die Hauptattraktion von Sigiriya erreichen wir auf halber Höhe: die „Wolkenmädchen“. Barbusig mit Wespentaille, behängt mit Geschmeide und Kopfschmuck, wurden sie vermutlich im 5. Jahrhundert in noch heute leuchtenden Farben auf der Felswand auf einer Grundierung aus Leim und Öl festgehalten. Wie auf Wolken schwebend schauen die Schönen auf den Betrachter. 22 haben ohne jegliche Restaurierung die Zeiten überlebt. Einst sollen es 500 Felszeichnungen gewesen sein. Mit metallenen Stiften ritzten die ersten Besucher zwischen dem 7. und 12. Jahrhundert ihre Kommentare zu den berühmtesten Wandmalereien Sri Lankas in die Felswand. 700 sind bisher entziffert: „Die Damen mit Goldketten auf ihren Brüsten locken mich“, heißt es da. Oder: „Ein rehäugiges Mädchen auf der Bergseite weckt Ärger in mir . . ., in ihrem Gesichtsausdruck ist zu lesen, dass sie unsere Rivalin ist.“

Ulrich Uhlmann

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