ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Chronische lymphatische Leukämie: Neuer Antikörper ist hoch effektiv

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Chronische lymphatische Leukämie: Neuer Antikörper ist hoch effektiv

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2129

Siegmund-Schultze, Nicola

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Der Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab ermöglicht ein tiefes Ansprechen bei komorbiden CLL-Patienten, für die eine aggressive Chemotherapie nicht infrage kommt.

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Leukämie in Industrienationen: Die Inzidenz beträgt 4,2 pro 100 000 Einwohner. Die meisten Patienten sind bei Diagnose älter als 70 Jahre, so dass Komorbiditäten häufig bei der Wahl der Behandlung berücksichtigt werden müssen.

Das Hinzufügen des B-Zell-depletierenden monoklonalen Antikörpers Rituximab (Anti-CD20) zu einer dualen Behandlung mit Fludarabin plus Cyclophosphamid hat zwar bei körperlich fitten, unvorbehandelten Patienten die Gesamtüberlebensraten erhöht. Vergleichbare Chemotherapien sind aber bei Komorbidität oft nicht möglich, und ein ähnlich positiver Effekt wie bei körperlich Fitten konnte bei mäßigem Allgemeinzustand mit Rituximab nicht gefunden werden.

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Obinutuzumab ist ein neuer, humanisierter monoklonaler Antikörper der Subklasse IgG1. Er bindet ebenfalls an das Antigen CD20, mit nanomolarer Affinität. Außerdem ist die Bindung an Effektorzellen des Immunsystems zehn- bis 50-mal stärker als bei Rituximab, vermutlich eine Ursache für die erhöhte antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität (ADCC) und Phagozytose. Das erklärte Dr. Pablo Umaña vom Unternehmen GlycArt bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Roche zur Zulassung von Obinutuzumab (Gazyvaro®) in Penzberg bei München. Umaña hat den Antikörper bei der Roche-eigenen Biotechfirma wesentlich mitentwickelt. Er wird zur Erstlinientherapie bei erwachsenen CLL-Patienten kombiniert mit Chlorambucil angewandt, wenn Begleiterkrankungen eine Therapie mit voller Dosierung von Fludarabin nicht ermöglichen. „Für diese Indikation ist Obinutuzumab der potenteste Antikörper, den wir kennen“, sagte Prof. Dr. med. Michael Hallek, Direktor der Klinik Innere Medizin, Universität Köln. Hallek leitet die Deutsche CLL-Studiengruppe (DCLLSG), federführend für die multinationale CLL11-Studie, deren Ergebnisse ausschlaggebend für die Zulassung von Obinutuzumab gewesen sind (N Engl J Med 2014; 370: 1101–10).

In der Studie wurden 781 therapienaive Patienten mit vermindertem Allgemeinzustand 1 : 2: 2 randomisiert in drei Arme: Chlorambucil-Monotherapie oder Chlorambucil plus Obinutuzumab oder Chlorambucil plus Rituximab. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) betrug 26,7 Monate bei der Kombination Chlorambucil/Obinutuzumab und 11,1 Monate bei Chlorambucil-Monotherapie (Hazard Ratio Progress oder Tod: 0,18; 95-%-Konfidenzintervall: 0,13–0,24; p < 0,001), im Rituximab-Kombinationsarm lag das PFS bei 16,3 Monaten. Die Rate der Komplettremissionen lag bei Obinutuzumab/Chlorambucil mit 20,7 Prozent circa dreimal höher als bei Rituximab/Chlorambucil (7,0 Prozent). Bei 37,7 Prozent der Patienten unter Obinutuzumab fand sich im peripheren Blut keine minimale Resterkrankung mehr, aber nur bei 3,3 Prozent unter Rituximab. Ergebnisse zum medianen Gesamtüberleben liegen noch nicht vor.

Dr. med. Valentin Goede, ebenfalls in der DCLLSG an der Universitätsklinik Köln, wies auf die im Allgemeinen gute Verträglichkeit von Obinutuzumab hin. Es müsse aber mit infusionsassoziierten Reaktionen vor allem bei der ersten Gabe von Obinutuzumab (Grad 3/4; CLL11-Studie: 20 Prozent) gerechnet werden, die auf die hohe Wirksamkeit zurückzuführen seien. Diesen unerwünschten Effekten lasse sich vorbeugen: mit langsamer Infusion und fieber- und entzündungshemmenden Medikamenten.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Launch-Pressekonferenz zu Gazyvaro® in Penzberg bei München, Veranstalter: Roche Pharma

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