ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Herzunterstützungssystem: Mobile Lösung auch für kleinere Kinder

TECHNIK

Herzunterstützungssystem: Mobile Lösung auch für kleinere Kinder

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2127 / B-1803 / C-1725

EB

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Ein neuer Antrieb zur mobilen Herzunterstützung für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren könnte die Behandlung von schwer herzkranken jungen Patienten verbessern. Dr. med. Eugen Sandica, Direktor der Klinik für Kinderherzchirurgie und angeborene Herzfehler im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW; www.hdz-nrw.de), Bad Oeynhausen, wird das Unterstützungssystem „Excor® Pediatric“ weltweit erstmals einsetzen.

Dem einjährigen Leon wurde im Herz- und Diabeteszentrum NRW bereits eine künstliche Herzunterstützung implantiert. Der 150 Kilogramm schwere Antrieb dieses Systems kann bei Kindern künftig durch einen mobilen Antrieb ersetzt werden. Die Ärzte präsentieren das neue System. Foto: Armin Kühn
Dem einjährigen Leon wurde im Herz- und Diabeteszentrum NRW bereits eine künstliche Herzunterstützung implantiert. Der 150 Kilogramm schwere Antrieb dieses Systems kann bei Kindern künftig durch einen mobilen Antrieb ersetzt werden. Die Ärzte präsentieren das neue System. Foto: Armin Kühn

Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme werden genutzt, um die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu überbrücken. Das „Excor Pediatric“-System ist das einzige für die Behandlung von Kindern zugelassene System weltweit. In Bad Oeynhausen wurden künstliche Herzpumpen bislang bei 29 Kindern und Jugendlichen implantiert. Die mittlere Unterstützungszeit beträgt 120 Tage, die längste lag bei 619 Tagen. Die Überlebensrate liegt bei 90 Prozent bei den eingesetzten Berlin-Heart-Kinderherzpumpen. Der derzeitige Antrieb der künstlichen Herzunterstützung, der durch eine Kabelverbindung mit der Pumpe des jungen Patienten verbunden ist, wiegt allerdings 95 Kilo. Die große Konsole muss zudem regelmäßig gewartet werden, so dass ein Verlassen der Klinik nahezu unmöglich ist. Zudem arbeitet das System nur etwa 30 Minuten ohne Strom.

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Jetzt hat der Hersteller Berlin Heart GmbH einen Antrieb entwickelt, der nur noch elf Kilogramm wiegt und in der Größe eines Koffertrolleys mitgeführt werden kann. Zudem kommt das Unterstützungssystem durch Akkus bis zu zwölf Stunden ohne Netzanschluss aus. Die CE-Zulassung für den europäischen Einsatz der Kinderherzpumpe „Excor Active“ wird Anfang 2015 erwartet. Danach soll das System im HDZ-Kinderherzzentrum in den klinischen Einsatz gehen.

„Für viele Kinder wird die Klinik während der Wartezeit notgedrungen zu einem zweiten Zuhause. Jetzt werden wir mittelfristig – wie dies bei Erwachsenen nach entsprechender Schulung schon lange möglich ist – eine zunehmende Zahl an Patienten ambulant versorgen können“, erklärte Prof. Dr. med. Deniz Kececioglu, Direktor der Kinderkardiologie im HDZ NRW. Das sei ein Riesenschritt zu mehr Lebensqualität für alle Beteiligten. EB

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