ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Alzheimerdemenz: Einnahme von Benzodiazepinen fördert Manifestation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Alzheimerdemenz: Einnahme von Benzodiazepinen fördert Manifestation

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2118 / B-1796 / C-1718

Meyer, Rüdiger

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Benzodiazepine sind häufig verordnete Arzneimittel mit Schlafstörungen als führender Indikation bei älteren Menschen. Kurzfristig können Benzodiazepine die kognitive Leistung mindern. In früheren Fall­kontroll­studien fanden sich aber auch Assoziationen zwischen der Verordnung von Benzodiazepinen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Demenzerkrankungen, ohne dass die Studien Rückschlüsse auf Kausalitäten zuließen. In einer kanadischen Studie ist nun erneut untersucht worden, ob es eine Korrelation gibt zwischen der Einnahme von Benzodiazepinen mit der Diagnose Alzheimerdemenz (AD), mit deren Prodromalsymptomen wie Angstzustände, Insomnie und depressiver Störung und mit der kumulativen Benzodiazepindosis. Positive Dosiskorrelationen werden im Allgemeinen als Hinweise auf kausale Zusammenhänge gedeutet.

Es wurden drei Kategorien gebildet entsprechend den durchschnittlichen Tagesdosen (TD; kumulativ 1–90 TD ≤ 3 Monate, kumulativ 91–180 TD = 3–6 Monate, kumulativ > 180 TD > 6 Monate).

Aus der Datenbank der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung RAMQ Quebec sind 1 796 Personen (> 66 Jahre) mit der Diagnose AD, über die mindestens für sechs Jahre vor Diagnose komplette studienrelevante Informationen vorlagen, mit 7 184 Kontrollen (> 66 Jahre) ohne AD-Diagnose in Bezug auf Alter, Geschlecht und andere Eigenschaften verglichen worden (Fall zu Kontrolle 1 : 4). Die Verordnung von Benzodiazepinen war mit einer um 51 % erhöhten Rate von AD assoziiert (adjustierte Odds Ratio [OR]: 1,51; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,36–1,69), wobei ein erhöhtes Risiko erst ab 91–180 TD (OR: 1,32; 95-%-KI: 1,01–1,74) und > 180 TD (OR: 1,84; 95-%-KI: 1,62–2,08) erkennbar war. Die Unterschiede für das AD-Risiko zwischen Usern und Non-Usern waren hoch signifikant (p < 0,001). Bei langwirkenden Benzodiazepinen (Halbwertszeit [HWZ] ≥ 20 h) war die OR für AD höher als bei kürzerer HWZ (OR: 1,70 versus 1,43).

Die Forscher vermuten, dass die langfristige Verordnung von Benzodiazepinen die Aktivierung „kognitiver Reserven“ verhindern und so die Manifestation der Alzheimererkrankung beschleunigen könnte.

Fazit: Die Verordnung von Benzodiazepinen für ältere Menschen ist mit einer erhöhten Rate von Demenz assoziiert: Die Korrelation der kumulativen Dosis mit einer Erhöhung der Prävalenz von Alzheimerdemenz lege eine Kausalität nahe, folgern kanadische Forscher aus einer großen Fall­kontroll­studie. Obwohl Benzodiazepine effektive und wichtige Substanzen seien zur Therapie von Angst- und Schlafstörungen bei älteren Menschen, sollte diese Gruppe von Substanzen im Allgemeinen nicht länger als drei Monate angewandt werden. Rüdiger Meyer

Billioti de Gage S, Moride Y, Ducruet T, Kurth T, et al.: Benzodiazepine use and risk of Alzheimer’s disease: case-control study. BMJ 2014; 349: g5205.

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