ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Randnotiz: Kontrollwahn
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Der Versicherungskonzern Generali plant ein „verhaltensbasiertes Versicherungsmodell“, bei dem Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil gesammelt werden und eine gesunde Lebensführung mit Gutscheinen oder Rabatten belohnt werden soll. „Wir wollen dem Zeitgeist entgegenkommen und den Leuten, die sich gerne vermessen, etwas bieten“, sagte eine Sprecherin des Versicherungskonzerns. Man wolle möglicherweise auch spezielle Smartphone-Apps anbieten.

In einer Zeit, in der persönliche Daten als Währung gehandelt werden, ist dies ein logischer und zugleich beängstigender Schritt. Nicht nur Amazon oder Google werten Nutzerdaten detailreich aus, um dem Kunden „nur das Beste“ anbieten zu können, auch Krankenversicherungen haben ein Interesse am Verhalten ihrer Mitglieder, denn deren Gesundheit bestimmt das Geschäftsergebnis. Eine junge gesunde Klientel ist da gefragt. Dass diese zudem internetaffin ist, Rabatte schätzt und Fitnessarmbänder trägt, die Körperdaten messen, ist die perfekte Kombination für die Pläne der Versicherung.

Nun, Bonusprogramme gibt es heute schon, werden Befürworter anführen. Aber rechtfertigt dies eine rein auf manipulationsanfälligen, statistischen Daten beruhende Bewertung der Lebensführung? Ist derjenige gesünder, der viel Sport treibt, sich aber ungesund ernährt oder der Vegetarier, der ein Sportmuffel ist? Und was ist mit chronisch Kranken und Älteren, die aus der Zielgruppe der Apps herausfallen? Nein, Gesundheit ist nicht so einfach messbar. Und ja, eine Gesellschaft muss auf ihre Gesundheit achten, aber ohne Kontrollwahn.

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Ich habe mein Fitnessarmband meinem Hund umgebunden.

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