ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Lungenkarzinom: Minimal-invasive Lobektomie nicht schlechter als offene

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lungenkarzinom: Minimal-invasive Lobektomie nicht schlechter als offene

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2118 / B-1796 / C-1718

Eckert, Nadine

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Eine radikale Resektion gilt für Patienten mit einem Lungenkarzinom im Stadium I/II als kurativer Therapieansatz. Seit etwa 20 Jahren besteht neben der konventionellen offenen Lobektomie die Möglichkeit, die Operation minimal-invasiv durchzuführen. Die thorakoskopische Lobektomie ist mit geringeren Komplikationsraten und einer schnelleren Genesung der Patienten verbunden, konnte sich aber bislang nicht wirklich durchsetzen. Hauptgrund waren Zweifel an der onkologischen Effizienz dieser Operationsmethode. Und es fehlt an randomisierten Studien, die belegen könnten, dass die Thorakoskopie der konventionellen offenen Resektion nicht unterlegen ist. Doch es gibt einen großen Datensatz: die SEER*-Medicare-Datenbank mit Einträgen aus 17 US-Krebsregistern. Sie ermöglichten es, die beiden Operationsmethoden zu vergleichen.

Analysiert wurde das Langzeitüberleben nach offener oder minimal-invasiver Lobektomie. Eingeschlossen wurden alle Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), die zwischen 2007 und 2009 eine Lobektomie erhalten hatten. Von den 6 008 Patienten wurden 4 715 (78 %) am offenen Thorax operiert, die restlichen 1 293 (22 %) minimal-invasiv. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 74 Jahren, das Follow-up bei median 40 Monaten. In eine nach Propensity Score gematchte Analyse flossen die Operationsergebnisse von jeweils 1 195 Patienten aus beiden Behandlungsgruppen ein. Die Auswertung ergab zwischen offener und minimal-invasiver Lobektomie keinen statistisch signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben nach drei Jahren. In der minimal-invasiv operierten Gruppe lag es bei 70,6 %, in der offen operierten Gruppe bei 68,1 % (p = 0,55). Auch das krankheitsfreie Überleben (86,2 % versus 85,4 %, p = 0,46) und das krebsspezifische Überleben (92 % versus 89,5 %, p = 0,46) unterschieden sich nicht signifikant.

Krankheitsfreies Überleben von Patienten
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Grafik
Krankheitsfreies Überleben von Patienten

Fazit: Eine internationale Analyse der SEER-Medicare-Datenbank ergibt, dass die videoassistierte minimal-invasive (VATS) Lobektomie bei Patienten mit Lungenkarzinom zu vergleichbar gutem Langzeitüberleben führt wie die offene Resektion mittels Thorakotomie. „Die Ergebnisse decken sich mit bisherigen Veröffentlichungen, basierend auf kleineren Patientenkohorten“, kommentiert der Thoraxchirurg Prof. Dr. med. Stefan Fischer vom Klinikum Ibbenbüren. „Die VATS-Lobektomie könnte der neue Goldstandard für die Resektion bei Lungenkrebs werden, auch wenn es keine Daten aus prospektiven randomisierten Studien gibt.“ Nadine Eckert

Subroto P, et al.: Long term survival with thoracoscopic versus open lobectomy: propensity matched comparative analysis using SEER-Medicare database. BMJ 2014; 349: g557.

*SEER: Surveillance, Epidemiology and End Results

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