ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Kommunale Krankenhäuser: Marburger Bund will Ärzte entlasten

POLITIK

Kommunale Krankenhäuser: Marburger Bund will Ärzte entlasten

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): A-2096 / B-1779 / C-1703

Osterloh, Falk

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Der Marburger Bund hat seine Forderungen für den neuen Tarifvertrag an kommunalen Kliniken veröffentlicht: Er will weniger Wochenenddienste durchsetzen, eine bessere Vergütung von Bereitschaftsdiensten und eine Gehaltssteigerung um 5,4 Prozent.

Fast 40 Prozent der Krankenhausärzte schlafen schlecht, genauer: Sie schlafen „ziemlich“ bis „sehr“ schlecht. Das ergab eine Umfrage der Ludwig-Maximilian-Universität München unter 1 045 Mitgliedern des Marburger Bundes (MB) Bayern. 36 Prozent der Befragten klagten zudem über „etwas“ oder „große Probleme“, im Alltag wach zu bleiben.

Diese Angaben sind alleine schon bedenklich, weil sie auf eine Überlastung der Ärzte hinweisen. Umso bedenklicher sind sie, weil unausgeschlafene Ärzte im Extremfall die Patientensicherheit beeinträchtigen können. In den in Kürze anstehenden Tarifverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) will der MB deshalb die Anzahl der Wochenenddienste für Ärzten an kommunalen Kliniken begrenzen.

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„Das Thema Entlastung steht für uns ganz im Vordergrund der Tarifverhandlungen mit der VKA“, betonte der Erste Vorsitzende des MB, Rudolf Henke, am 19. November in Berlin. Eine Mitarbeiterbefragung des MB habe im vergangenen Jahr ergeben, dass die Hälfte der MB-Mitglieder mehr als vier Bereitschaftsdienste pro Monat übernimmt. 45 Prozent davon leisteten fünf bis neun Bereitschaftsdienste pro Monat, fünf Prozent sogar mehr als zehn. „Diese Überlastung muss beendet werden“, forderte Henke. Wer rund um die Uhr im Krankenhaus Dienst leiste, während andere Freizeit hätten, dürfe dafür eine angemessene Bezahlung erwarten, so der MB-Vorsitzende weiter. Deshalb fordert der Marburger Bund zudem eine bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste.

VKA-Zahlen „unseriös“

Die aktuellen Bereitschaftsdienst-Stundenentgelte seien keine adäquate Kompensation für die zunehmende Arbeitsbelastung der Ärzte auf unterbesetzten Stationen, so der MB. Dies soll künftig mit einer „Entgeltmatrix“ geändert werden, die differenzierte Entgelte für Bereitschaftsdienste vorsieht und auch die Berufserfahrung der Ärzte berücksichtigt (siehe Tabelle).

Neue Stundenentgelt-Matrix für den Bereitschaftsdienst gemäß Forderung des Marburger Bundes
Neue Stundenentgelt-Matrix für den Bereitschaftsdienst gemäß Forderung des Marburger Bundes
Tabelle
Neue Stundenentgelt-Matrix für den Bereitschaftsdienst gemäß Forderung des Marburger Bundes

In einer ersten Reaktion hatte die VKA kritisiert, der Bereitschaftsdienst solle um 34 Prozent teurer werden. Diese Zahl wies der MB als „hochgradig unseriös“ zurück. Die VKA habe bei ihren Berechnungen die Entgeltgruppen III (Oberärzte) und IV (Chefarzt-Vertretungen) im gleichen Umfang berücksichtigt wie die Entgeltgruppen I (Assistenzärzte) und II (Fachärzte). Bereitschaftsdienste würden jedoch hauptsächlich von Assistenz- und Fachärzten geleistet – die Steigerungsraten für die Entgeltgruppen III und IV fielen also kaum ins Gewicht. Tatsächlich machten die Steigerungen bei den Bereitschaftsdienstentgelten nur zwei Prozent der Gesamtforderung des MB aus.

Diese beinhaltet insbesondere eine lineare Erhöhung der Gehälter von Ärzten an kommunalen Krankenhäusern um 5,4 Prozent. Henke bezeichnete die Forderung als „maßvoll und betriebswirtschaftlich vertretbar“. Schließlich liege der letzte Tarifvertrag mit der VKA schon zwei Jahre zurück. Und bei den Krankenhäusern sei ein ausreichender finanzieller Spielraum vorhanden. Henke rechnete vor, dass der Ausgabenanstieg in der Krankenhausbehandlung seit 2007 3,4 Prozent pro Jahr betragen habe – die Tarifsteigerungen hätten im selben Zeitraum hingegen bei 2,2 Prozent pro Jahr gelegen.

MB: Problem sind die Länder

„Das Hauptproblem der Krankenhäuser ist nicht, dass es für sie nicht möglich wäre, die Ausgaben für Personal mit der Tarifentwicklung schritthalten zu lassen“, betonte Henke. „Das Hauptproblem der Krankenhäuser ist, dass die Länder bei der Investitionskostenfinanzierung versagen.“ Die Verhandlungen mit der VKA, die am 18. Dezember beginnen werden, stehen unter dem Einfluss des nahenden Tarifeinheitsgesetzes, mit dem das Bundesarbeitsministerium eine Tarifeinheit nach dem betriebsbezogenen Mehrheitsprinzip einführen will. Schon jetzt habe das Gesetzgebungsverfahren Einfluss auf aktuelle Tarifauseinandersetzungen, so Henke. Denn es verleite die Arbeitgeberseite dazu, bei Verhandlungen auf Zeit zu spielen.

Falk Osterloh

Neue Stundenentgelt-Matrix für den Bereitschaftsdienst gemäß Forderung des Marburger Bundes
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Tabelle
Neue Stundenentgelt-Matrix für den Bereitschaftsdienst gemäß Forderung des Marburger Bundes

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