ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2014Musikerambulanz: Stimmdiagnostik im Fokus

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Musikerambulanz: Stimmdiagnostik im Fokus

Dtsch Arztebl 2014; 111(48): [79]

EB

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Die Stimme streikt, das Gehör spielt verrückt, den Fingern fehlt die Leichtigkeit beim Musizieren: Für Berufsmusiker ist ein funktionierender Körper nahezu überlebenswichtig. Doch ein Großteil von ihnen entwickelt im Laufe der Berufsjahre – oft bereits während der Ausbildung – körperliche und psychische Beschwerden. In der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Münster (UKM) befasst sich eine neu eingerichtete Musikerambulanz mit der musikermedizinischen Betreuung (www.phoniatrie.ukmuenster.de).

Untersuchung der Kehlkopffunktion: Singen als Beruf kann die Stimme stark belasten – die Musikerambulanz in Münster hilft.
Untersuchung der Kehlkopffunktion: Singen als Beruf kann die Stimme stark belasten – die Musikerambulanz in Münster hilft.

„An der Spitze der Beschwerden stehen funktionelle und organische Schädigungen, akute oder chronische Schmerzsyndrome, Auftrittsängste und Stressbelastung sowie Hörstörungen induziert durch die langjährige hohe Lärmbelastung in Orchestergräben und auf den Bühnen“, berichtet der Leiter Dr. med. Ken Rosslau, der nicht nur Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie, sondern auch ausgebildeter Sänger ist. Gemeinsam mit weiteren Ärzten und dem britischen Audiologen Ross Parfitt sowie Logopäden, Psychotherapeuten und Audiologie-Assistenten, die ebenfalls über Gesangserfahrung verfügen, wird sich das Team um die drei Schwerpunkte Stimmdiagnostik, Gehörschutz und Lampenfieber beziehungsweise Auftrittsangst kümmern.

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Bereits seit sechs Jahren verfügt das UKM über eine Sängersprechstunde, auch internationale Größen ließen sich dort behandeln. „Bisher haben wir uns jedoch nur um Beschwerden rund um die Stimme gekümmert“, sagt Prof. Dr. med. Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen, Direktorin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des UKM und Präsidentin der Union der Europäischen Phoniater. „Der Bedarf ist jedoch deutlich größer.“

Einen Schwerpunkt wird die Diagnostik und Beratung zum Thema „Hören bei Musikern“ einnehmen. Trotz detaillierter Arbeitsschutzrichtlinien greifen nur wenige Laien- und Berufsmusiker auf Gehörschutz zurück – und das, obwohl es mittlerweile praktikable Lösungen gibt. Die umfangreiche klinische Ausstattung ermöglicht eine differenzierte Beurteilung der Hörprobleme und eine Einleitung von passenden Gehörschutzmaßnahmen.

Zudem soll die Musikerambulanz auch eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche werden. „Nicht selten befinden sich die Kinder sowohl im Rahmen des chorischen Singens in der Schule als auch in Hobby- und Kirchenchören einer hohen und problematischen stimmlichen Belastung ausgesetzt“, meint Rosslau. Es gelte, das stimmgefährdende Verhalten zu erkennen und eine entsprechende Therapie einzuleiten sowie in Zusammenarbeit mit Musikpädagogen Maßnahmen zur Prävention zu formulieren. EB

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