ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2014Geld für Praxisassistentinnen: Ein Schritt in die richtige Richtung

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Geld für Praxisassistentinnen: Ein Schritt in die richtige Richtung

Dtsch Arztebl 2014; 111(49): A-2133 / B-1809 / C-1729

Osterloh, Falk

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Dem Ärztemangel entgegenzuwirken, ist derzeit eines der wichtigsten Ziele, die sich Politik und Selbstverwaltung gesteckt haben. Mit einem Bündel an Maßnahmen, im Versorgungsstrukturgesetz zusammengeführt, hat es in der vergangenen Legislaturperiode die schwarz-gelbe Koalition versucht. Die Maxime war unter anderem, finanzielle Anreize zu setzen, um Ärzte für eine Niederlassung in unterversorgten Gebieten zu gewinnen. Mit einem Bündel von Maßnahmen, zusammengeführt nun im Versorgungsstärkungsgesetz, wird es in dieser Legislaturperiode auch die schwarz-rote Regierung versuchen. Ihre Maxime ist es, Praxissitze aufkaufen zu lassen, damit niederlassungswillige Ärzte keine andere Wahl haben, als sich in unterversorgten Gebieten niederzulassen.

Falk Osterloh, Politischer Redakteur
Falk Osterloh, Politischer Redakteur

Mit Zwang allerdings, das werden Union und SPD noch feststellen, lässt sich ein Freiberufler nicht auf der Landkarte herumschieben. Anreize hingegen, also eine Steigerung der Attraktivität ärztlicher Berufsausübung oder auch eine Entzerrung der alltäglichen Arbeitsdichte, sind als Mittel gegen den Ärztemangel eher erfolgversprechend. Das befand vor kurzem der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Und das war auch der Leitsatz der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei den Honorarverhandlungen für das Jahr 2015.

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Ergebnis dieser Verhandlungen war unter anderem: 264 Millionen Euro mehr für die haus- und fachärztliche Grundversorgung, hälftig geteilt. Die 132 Millionen für den hausärztlichen Bereich fließen zum einen in einen Strukturzuschlag in Höhe von 2,20 Euro pro Fall und zum anderen in die Hausbesuche speziell qualifizierter nichtärztlicher Praxisassistentinnen (NäPAs). Waren deren Hausbesuche bislang nur in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Regionen abrechenbar, können Hausbesuche von NäPAs künftig überall abgerechnet werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Hausärzte mindestens 860 „Fälle“ im Quartal vorweisen können oder mindestens 160 Patienten pro Quartal behandeln, die älter sind als 75 Jahre. „Das soll Hausärzte entlasten, die große Praxen führen oder die viele alte Menschen versorgen“, erklärte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann Anfang Dezember. „Wenn wir das Geld mit der Gießkanne verteilt hätten, wären Praxen gefördert worden, die es nicht brauchen.“

An der Regelung gab es Kritik unter anderem von einigen Kassenärztlichen Vereinigungen. Diese rügten, die Hürden für den Einsatz der NäPÄs seien mit mindestens 860 Fällen pro Quartal zu hoch. „Ich kann die Kritik verstehen“, erklärte Feldmann. Die KBV habe versucht, in den Verhandlungen 750 Fälle zu erreichen. Dagegen hätten sich die Kassen gesperrt. Aber: Die Regelung sei nicht in Stein gemeißelt. Der Vertrag werde evaluiert und bei Bedarf angepasst.

Dass sich diejenigen beschweren, die sich finanziell benachteiligt fühlen, gehört zum politischen Geschäft. Wenn man Anreize gegen den Ärztemangel setzen will, macht es jedoch wenig Sinn, allen mehr zu geben. Denn der Mangel besteht nicht überall. Für die Bekämpfung des Ärztemangels gibt es im Übrigen nicht die eine Lösung. Angesichts des anstehenden Versorgungsstärkungsgesetzes kann man allerdings froh sein, wenn die Politik keine Maßnahmen anweist, die zu Rückschritten führen. Die neue Regelung zu nichtärztlichen Praxisassistentinnen im EBM löst nicht den Ärztemangel. Aber sie ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Falk Osterloh
Politischer Redakteur

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