ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2014Randnotiz: Alles unter Kontrolle

AKTUELL

Randnotiz: Alles unter Kontrolle

PP 13, Ausgabe Dezember 2014, Seite 533

Korzilius, Heike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das Mobiltelefon klingelt. Es klingelt aber nicht etwa, weil jemand anruft, eine Textnachricht geschickt hat oder chatten will. Das Telefon klingelt ganz selbstständig, weil man im Begriff ist, etwas falsch zu machen: in den Fahrstuhl zu steigen, statt die Treppe zu nehmen, zu häufig am Wasserspender vorbeizugehen, statt regelmäßig zu trinken oder – schlimmer noch – am Süßigkeitenautomaten Halt zu machen. Das ist keine Szene aus einem düsteren Zukunftsroman, sondern ein Projekt des US-amerikanischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, mit dem es die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördern will, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) am 4. November berichtete. Kleine, im Ministerium verteilte Apparate kommunizieren mit den Handys ausgewählter Mitarbeiter und analysieren deren Bewegungsprofil. Weicht der Mitarbeiter vom gesundheitlichen Pfad der Tugend ab, klingelt es eben.

Das ist ein Beitrag zur Prävention, der neueste Technik kreativ einbindet, könnte man meinen. Konzerne wie Google oder Apple wittern bereits das große Geschäft mit den Daten, die sich bei dieser Art der Gesundheitsüberwachung ansammeln. Man kann sich aber auch fragen, wie wirksam ein Präventionsansatz ist, der nicht auf Einsicht, sondern auf Kontrolle setzt. Wird das Gefühl der Gängelung zu stark, lässt man das Handy einfach mal zu Hause. Dazu kommt, dass diejenigen, die solche Körperanalysegeräte nutzen, in der Regel wissen, dass Bewegungsmangel und übermäßiges Essen dick und auf lange Sicht womöglich krank machen. Und diejenigen, die Prävention am nötigsten hätten, weil sie sich nicht für ihre Gesundheit interessieren, haben erst gar keine einschlägige App.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema