ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Umweltmedizin: Unverständlich
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Es ist völlig unverständlich, wenn bei einem Expertenworkshop der Bundesärztekammer ausgeführt wird, dass von Infraschall von Windenergieanlagen „keine gesundheitlichen Wirkungen zu erwarten sind“. Man kann im Hinblick auf gesundheitliche Wirkung nur bewerten, was man auch wirklich misst. Infraschall gehört jedenfalls nicht dazu, da er in Deutschland streng nach Vorschrift (TA-Lärm) zum einen inadäquat A-gewichtet gemessen und zum anderen erst ab zehn Hz erfasst wird (im Neuentwurf der DIN 45680 ab acht Hz). Zudem gibt es keine belastbaren Studien, die die Unbedenklichkeit von langfristiger Einwirkung tieffrequenten Schalles unterhalb der Hörschwelle beweisen.

Geforscht wird sicherheitshalber nicht – schon 2007 hatte das Robert-Koch-Institut einen deutlichen Mangel an umweltmedizinisch orientierten wissenschaftlichen Studien zu tieffrequentem Schall festgestellt und großen Handlungsbedarf gesehen. Die Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall, die im Juni 2014 vom Umweltbundesamt veröffentlicht worden ist, beinhaltet die aktuell umfangreichste Literaturübersicht und sieht unverändert einen dringenden Forschungsbedarf.

Die Kollegen in Schweden haben in der Schwedischen Ärztezeitung im August 2013 auf die Gesundheitsrisiken durch Infraschall hingewiesen und festgestellt, dass 30 Prozent der Anwohner davon betroffen sind.

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sehen anders aus!

Es fällt auf, dass in dem Artikel (und damit wohl auch auf dem Workshop der Bundesärztekammer) die seltenen Erden, ohne die die Energiewende nicht durchführbar ist, überhaupt nicht erwähnt werden. Eine getriebelose 5-MW-Windkraftanlage, die mit einem Permanentmagneten betrieben wird, enthält zum Beispiel bis zu 800 kg Neodym und 200 kg Dysprosium. Bei der Gewinnung von seltenen Erden werden radioaktives Uran und Thorium freigesetzt und es entsteht durch die chemischen Gewinnungsverfahren ein toxischer Schlamm mit Schwermetallen und anderen heiklen Substanzen. In China, wo über 90 Prozent der seltenen Erden gewonnen werden, sind schon jetzt ganze Landstriche verseucht. Es ist völlig unverständlich, dass diese gravierenden Gesundheitsgefahren nicht berücksichtigt werden – oder ist China für die deutsche Energiewende bequemerweise einfach schön weit weg?

Dr. med. Ulrike Diehl,
Hans Günter Diehl,
37130 Gleichen

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