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Randnotiz: Schieflage

Dtsch Arztebl 2014; 111(50): A-2195 / B-1859 / C-1779

Clemens, Peter

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Manch ein Kollege wundert sich täglich, wie hoch angesehen beim Patienten von ihm selbst zu bezahlende, nicht validierte, alternativ-medizinische Maßnahmen sind. Und wie schlecht angesehen bewährtes schulmedizinisches Vorgehen ist. Wie kommt es zu dieser Schieflage?

Wenn man etwas selbst bezahlt hat, und es hat sich nicht bewährt, schämt man sich über die Fehlinvestition und schweigt darüber. Wenn man aber zu den mindestens 20 Prozent gehört, die von dem Placebo-Effekt profitieren, freut man sich über das vermeintlich richtig gut angelegte Geld und erzählt stolz vielen davon.

Bei der klassischen Schulmedizin hingegen, von den Krankenkassen bezahlt, erwartet man Hilfe und ist empört, wenn man zu dem kleinen Teil gehört, bei dem es nicht wirkt oder Nebenwirkungen eintreten. Diese negative Erfahrung erzählt man empört im Durchschnitt zehn anderen Menschen, während man – wie für solche Fälle allgemein bekannt – positive Erfahrungen nur dreien weiter erzählt.

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Deshalb hört man über alternativmedizinische Maßnahmen eigentlich nur Gutes und über schulmedizinische überwiegend nur Schlechtes. Lassen Sie uns trotzdem bei der bewährten Schulmedizin bleiben!

Diese Zusammenhänge kann man nach meiner Erfahrung durchaus mit vernünftigen Patienten besprechen. Bei schulmedizinisch orientierten Patienten unterlegt das bekräftigend die vereinbarten schulmedizinischen Maßnahmen. Bei alternativmedizinisch orientierten Patienten führt das immerhin in manchen Fällen zum Nachdenken über die eigene Orientierung.

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