ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Krankenhäuser: Kein Kellertreppeneffekt
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Der Bericht zitiert Michael Simon mit seiner These vom „Kellertreppeneffekt“. Tatsächlich gibt es diesen Effekt nicht und auch keine Abwärtsspirale im DRG-System! Die Kalkulation des G-DRG-Systems basiert richtigerweise auf Kosten. Diese werden in die dimensionslosen Relativgewichte umgerechnet. Sie drücken den Anteil der einzelnen DRG an den Gesamtkosten aus und verschieben sich aufgrund unterschiedlicher Kostenentwicklung. Zur Berechnung der Relativgewichte wird die sogenannte Bezugsgröße verwandt. Die Höhe der Bezugsgröße wird aber – vereinfacht ausgedrückt – so gewählt, dass die Summe der bundesdeutschen Relativgewichte konstant bleibt. Bleibt die Summe der Relativgewichte von Jahr zu Jahr gleich, bedeutet dies, dass Relativgewichten, die abgesenkt werden, andere gegenüberstehen, die steigen. Was den Erlös betrifft, so ergibt er sich anschließend durch Multiplikation des zugehörigen Relativgewichts der DRG mit dem Landesbasisfallwert. Der Landesbasisfallwert wird aufgrund gesetzlicher Vorgaben/Bestimmungen zwischen den Selbstverwaltungspartnern auf Landesebene verhandelt und vereinbart. Für die Vergütung entscheidend sind die Relativgewichte. Absenkungen werden durch die Konstanthaltung ihrer Summe systemintern kompensiert. Ein Kellertreppeneffekt im Sinne einer automatischen Absenkung aller Vergütungen ist ausgeschlossen.

Ein fiktives Beispiel: Die Appendektomie koste im Durchschnitt 5 000 Euro, ermittelt werde ein Relativgewicht von Zwei. Nächste Periode: Alle Bedingungen bleiben gleich, die Kosten der Appendektomie seien auf 2 500 Euro gesunken, ermittelt wird jetzt ein Relativgewicht von Eins. Unterstellt, es werden 100 000 Appendektomie-DRGs abgerechnet, dann fehlen jetzt gegenüber dem Vorjahr 100 000 Relativgewichte. Nun wird (durch Anpassung der Bezugsgröße) die Summe der Relativgewichte auf das Vorjahresniveau gehoben. Das führt dazu, dass alle anderen Relativgewichte jeweils um so viel steigen, dass ein Mehr von genau 100 000 Relativgewichten erreicht wird. Das Relativgewicht der Appendektomie hat sich im Verhältnis zu den anderen Relativgewichten verschlechtert. Aber alle anderen DRGs bringen an Relativgewichten das Mehr auf, das bei der Appendektomie verloren wurde. Die Summe aller Relativgewichte ist gleich geblieben. Bis zu diesem Punkt ist von Erlösen noch keine Rede. Jetzt erst kommt der Landesbasisfallwert und erzeugt mit dem jeweiligen Relativgewicht den Preis der einzelnen DRG. Das Geld im Topf wird nicht weniger, es wird nur anders verteilt. Eine Abwärtsspirale „im System“ ist nicht möglich . . .

Unter Druck kann nur die Klinik geraten, die ausschließlich Appendektomien macht und zu teuer ist.

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Priv.-Doz. Dr. med. Friedrich Heubel, Leiter der Arbeitsgruppe Öko­nomi­sierung der Akademie für Ethik in der Medizin, 35037 Marburg

Dipl.-Ökonom Horst Imdahl, M.A., Mitglied der Arbeitsgruppe Öko­nomi­sierung der Akademie für Ethik in der Medizin, 41239 Mönchengladbach

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