ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Ausstellung in Köln: Von der Zipfelmütze zur Königskrone

KULTUR

Ausstellung in Köln: Von der Zipfelmütze zur Königskrone

Dtsch Arztebl 2014; 111(50): A-2236 / B-1886 / C-1806

Traub, Ulrich

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wie sich das Bild der Heiligen Drei Könige in der Kunst bis weit in die Renaissance gewandelt hat, das erzählt eine sehenswerte Ausstellung in Köln.

Altaraufsatz: „Die Geschichte der Heiligen Drei Könige“: Ölmalerei auf den Flügeln und Schnitzwerk in der Mitte, Nürnberg oder Umgebung, letztes Viertel 15. Jahrhundert. Foto: Ulrich Traub
Altaraufsatz: „Die Geschichte der Heiligen Drei Könige“: Ölmalerei auf den Flügeln und Schnitzwerk in der Mitte, Nürnberg oder Umgebung, letztes Viertel 15. Jahrhundert. Foto: Ulrich Traub

Schlichte Zipfelmützen und einfache Gewänder – diese Herrschaften haben so gar nichts Majestätisches. Ihre Mitbringsel sind ebenso wenig zu erkennen wie individuelle Gesichtszüge. Bis aus ihnen üppig ausstaffierte Könige werden sollten, brauchte es noch ein paar Jahrhunderte. Wie sich das Bild der Heiligen Drei Könige in der Kunst bis weit in die Renaissance gewandelt hat, das erzählt eine sehenswerte Ausstellung in mehreren Kapiteln und aus diversen Blickwinkeln.

Anzeige

Wo sollte eine Dreikönigsausstellung schon stattfinden, wenn nicht in Köln – der Stadt, die seit 850 Jahren im Besitz der Dreikönigsreliquien ist. Das dortige, auf die Kunst des Mittelalters spezialisierte Museum Schnütgen hat für diese Sonderschau rund 130 hochkarätige Exponate aus bedeutenden Museen der Welt ausleihen können – Skulpturen und Tafelmalerei, Buchkunst und Elfenbeine, Gewänder und Zeremonialobjekte.

Die Anbetungsszene gehört neben der Darstellung der Kreuzigung und dem Osterbild zu den zentralen Bildthemen der christlichen Kunst. Die frühesten Beispiele orientieren sich noch an Huldigungsszenen aus der Antike. Die Gabenbringer, die zum Kind eilen, sind aufgrund ihrer Kleidung als Heiden zu erkennen, die den Heilsbringer ehren. Maria wird bereits sitzend mit dem Kind auf ihrem Schoß dargestellt.

Aus Magiern und Weisen sollten Könige werden – zunächst noch namenlose. In Handschriften, die um das Jahr 1000 in den Schreibstuben bedeutender Klöster entstanden, tauchen die drei, die seitdem Caspar, Melchior und Balthasar heißen, erstmalig als gekrönte Häupter auf. Und Christus greift nun nicht mehr nach den Gaben, sondern segnet die Herantretenden. Der Bedeutung Marias entspricht, dass sie schon in früh entstandenen Werken oft ins Zentrum der Szene gerückt wird. Ein Elfenbeinrelief aus dem 6./7. Jahrhundert, in das zwei Kreuze eingearbeitet worden sind, versinnbildlicht den Zusammenhang von der Menschwerdung Gottes mit Tod und Auferstehung Christi. Der Anbetungsszene wurde später in mehrteiligen Tafelmalereien die Kreuzigung sogar direkt gegenübergestellt.

Ab dem späten 14. Jahrhundert ändert sich die Gestaltung der Szenen, sie wird freier, reicher an Details und individualisierter. Das Geschehen wird vor eine reale Kulisse verlegt. Man erkennt in den Bildern den Dom von Siena oder ein niederländisches Dorf im Winter, in dem die Anbetung nur noch eine Rand-erscheinung ist. Die Könige tragen höfische Kleidung und sind als Personen ihrer Zeit dargestellt. Die Renaissance hatte der Kunst neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis tatsächliche Herrscher wie der burgundische Herzog Philipp der Gute in die Rolle eines der Heiligen Drei Könige schlüpften oder sich zumindest in die Szene gruppierten.

Es gibt viel zu sehen in dieser ambitionierten Ausstellung. Das gilt im Besonderen für die Bilder, in denen sich der Reiz des Fremden, des Exotischen, der die Künstler herausgefordert hatte, ablesen lässt. Ein letzter Augenschmaus ist die mit 135 Figuren üppig besetzte Krippe aus Neapel, die der dortige Adel im 18. Jahrhundert in Auftrag gegeben hat. Dort treten die Könige als Gesandte des osmanischen Sultans in Erscheinung. Das Geschehen in Bethlehem mutet dagegen ganz süditalienisch an.

Ulrich Traub

Informationen

Die Ausstellung „Die Heiligen Drei Könige – Mythos, Kunst und Kult“ ist bis 25. Januar im Museum Schnütgen in Köln zu sehen. Infomationen: www.museum-schnuetgen.de; Katalog mit Abbildungen aller Exponate, Hirmer Verlag, 39 €.
Parallel wird in der Domschatzkammer die Ausstellung „Caspar, Melchior, Balthasar – 850 Jahre Verehrung der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom“ gezeigt.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema