ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Hall in Tirol: Weihnachtsstadt aus Zahlen

KULTUR

Hall in Tirol: Weihnachtsstadt aus Zahlen

Dtsch Arztebl 2014; 111(50): A-2237

Lädtke, Manfred

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Nostalgiker erleben das 700 Jahre alte Hall mit seinen krummen Gassen wie einen 3-D-Heimatfilm.

Tirols originellster Adventskalender leuchtet in Hall. Der Ort am Fuß des Karwendelgebirges ist auch bekannt für seine „Kiachl“ – entweder süß mit Puderzucker oder herzhaft mit Sauerkraut. Fotos: Manfred Lädtke
Tirols originellster Adventskalender leuchtet in Hall. Der Ort am Fuß des Karwendelgebirges ist auch bekannt für seine „Kiachl“ – entweder süß mit Puderzucker oder herzhaft mit Sauerkraut. Fotos: Manfred Lädtke

Der Lange Graben ist Halls steiniger Laufsteg von der Unter- in die gemütliche Oberstadt. Fünf Minuten Fußweg und man steht im Mittelalter. Sterne aus gebrochenem Spiegelmosaik reflektieren alte Hausfassaden und zaubern eine weihnachtliche Atmosphäre in die Gassen. Turbulent wird es in der Altstadt mit ihren mehr als 300 ensemblegeschützten Häusern nur dann, wenn das Fernsehen dort Szenen für einen „Tatort“ oder „Bergdoktor“ dreht. Zur Filmkulisse wurde der historische Stadtkern jedoch erst, als ab 1970 die Altstadt saniert und restauriert wurde. Heute überzeugt das heimgeholte Mittelalterflair nicht nur Regisseure, Architekten und Touristen. Experten erkannten der Kleinstadt schon vor 30 Jahren den ersten österreichischen Staatspreis für Denkmalschutz zu.

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Mit einem Potpourri adventlich kolorierter Zugaben stellt sich eine festliche Stimmung fast von selber ein: Man nehme zwei Dutzend Zahlen, eine Handvoll Farbscheiben und ein paar Beamer und mit Anbruch der Dunkelheit leuchten auf Hauswänden, Zinnen und Dächern 24 Ziffern. Gefärbt in Rot, Blau, Gelb, Rosa und Violett summiert sich die projizierte Zahlenparade zu Österreichs größtem Adventskalender.

Acht Gassen streben hinauf auf den Stadtplatz zur Pfarrkirche. Hinter dem Kirchturm rahmt das Karwendelgebirge das alte Zentrum ein. „Scho amol a echtes ,Zirberl‘ probiert?“ Samtweich fließt der harzige Brand die Kehle hinunter, während Schneeflocken auf die kalte Nase rieseln. Das besondere „Tröpferl“ von den Zapfen des Zirbenbaums ist ebenso eine regionale Spezialität wie das „Kiachl“ (Krapfen) mit Sauerkraut und Preiselbeeren oder die deftige Graupensuppe mit Bauchfleisch.

Hall bewirbt sich 2015 um den Titel „Weltkulturerbe“

In der Schlossergasse 11 quietschen die Geigen. Mit sieben Jahren begann Meister Arnold Posch die Geige zu streichen. Heute baut, repariert und verleiht er in seiner Werkstatt Instrumente und spricht mit Gästen über sein Handwerk, Musik, Tiroler Traditionen und Geschichte. Für ihre Vergangenheit will sich die ehemalige wohlhabende Salinenstadt nun mit dem Titel „Weltkulturerbe“ adeln lassen. Die in Hall noch praktizierten Handwerkskünste, die Altstadt und das einst die ganze Welt prägende Münzwesen sollen die Juroren im kommenden Jahr überzeugen.

Gegenüber dem alten Zentrum befindet sich in der Burg Hasegg die Wiege des Talers und des heutigen Dollars. Von Ende des 15. Jahrhunderts bis 1809 wurden in Hall rund 17 Millionen Maria-Theresia-Taler produziert. Der eitle Erzherzog Ferdinand II. nutzte die Geldstücke als PR-Plattform, um sich mit allerlei modischem Schnickschnack von seiner vermeintlich besten Seite zu zeigen. Absoluter Renner bei den Superreichen war eine prächtige Silbermünze. Immerhin hatte dieser erste repräsentative Taler der Welt den Materialwert der Mitgift für eine Tochter aus höherem Hause. Aus dem südamerikanischen Namen „Talares“ leitete sich später „Dolares“ ab. Eine Entwicklung, die Touristikbroschüren schreiben lässt, in Hall sei der Dollar erfunden worden.

Manfred Lädtke

@ Information: www.hall-wattens.at

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