ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Sozialmedizin: Jobunsicherheit kann Asthmamanifestation fördern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sozialmedizin: Jobunsicherheit kann Asthmamanifestation fördern

Dtsch Arztebl 2014; 111(50): A-2226 / B-1880 / C-1800

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bekannt ist, dass eine subjektiv empfundene unsichere Berufssituation mit einem erhöhten Risiko für seelische Störungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist. Erstmals ist nun in einer großen Kohortenstudie die Frage untersucht worden, ob es eine Korrelation zwischen Jobunsicherheit und der Neumanifestation von Asthma gibt. An der Universität Düsseldorf sind Daten der German Socio-Economic Panel (GSOEP)-Studie ausgewertet worden: Seit 1984 beantworten Erwachsene jährlich Fragen zu Gesundheit und sozioökonomischen Aspekten. Verstärkt seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 wird auch in Deutschland ein Trend zu häufigerer Befristung von Verträgen oder Outsourcing beobachtet, deshalb der Untersuchungszeitraum 2009 und 2011. Analysiert wurden Daten von Teilnehmern, die 2009 einen Job hatten und kein Asthma in der Anamnese (n = 7 031; durchschnittlich 43 Jahre; 49 % Frauen). Sie sollten ihr Risiko einschätzten, binnen 2 Jahren ihre Stelle zu verlieren (Risikokategorien: 10–100 % kontinuierlich, < 50 %: niedrig, > 50 %: hoch). Auch wurden ärztliche Diagnosen erfragt. Die statistische Analyse erfolgte nach drei Modellen mit zunehmender Berücksichtigung potenzieller Asthmakofaktoren wie Lebensstil, Body-Mass-Index oder Umweltfaktoren. Bei hoher Jobunsicherheit war das Risiko für Asthma um 61 % erhöht im Vergleich zu niedriger oder keiner Jobunsicherheit (Inzidenz: 2,12 % versus 1,30 %; p < 0,05).

Fazit: Eine große deutsche prospektive Kohortenstudie zeigt erstmals eine Assoziation zwischen Jobun-sicherheit und der Neudiagnose „Asthma“ auf, möglicherweise Folge stressbedingter neuroendokriner und immunologischer Dysregulationen.

„Die Ergebnisse passen in das biopsychosoziale Modell chronisch-körperlicher Erkrankungen“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Winfried Häuser vom Klinikum Saarbrücken. „Soziale Faktoren wie Jobunsicherheit können eine Bedeutung bei der Entstehung chronischer Lungenerkrankungen haben. Die Studie hat allerdings auch methodische Mängel: Einige mögliche Störvariablen wie Angst, erlebter Stress und Allergen- oder Schadstoffexposition wurden nicht erfasst. Und die Erstdiagnose ,Asthma bronchialeʻ gründete sich nur auf Angaben der Studienteilnehmer, sie wurde nicht extern validiert.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Loerbroks A, Bosch IA, Douvens J, et al.: Job insecurity is associated with adult asthma in Germany during Europe’s recent economic crisis: a prospective cohort study.
J Epidemiol Community Health 2014;
DOI: 10.1136/jech-2014-204274

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