ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Priorisierung: Markt und Transparenz
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Die Führung der deutschen Ärzteschaft hält an der sogenannten „Priorisierung“ fest. Sie nennt sie seit dem letzten Ärztetag euphemistisch „ein dickes Brett, an dem es weiter zu bohren gilt“. Nachdem sich bisher alle maßgeblichen politischen Parteien und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter gegen Rationierung – in welcher Form auch immer – ausgesprochen haben, sind es ausgerechnet die Ärzte selbst, die bei der Verteilung von Knappheit „mitreden“ möchten. Mit dem Argument „mitreden“ oder „einen Fuß in die Tür bekommen“ kann man scheinbar jede Ärztevertretung zu fast allem rumkriegen. So hoffen die Priorisierungsbefürworter, an dem eigentlichen Übel so lange „vorbeizureden“, bis die Mehrheit glaubt, es handele sich um eine moralisch höher stehende Art der Verteilung knapper Ressourcen. Priorisierung wird auch von den Mitgliedern der entsprechenden Arbeitsgruppe gar nicht als Sparinstrument gesehen, sondern als etwas, was im „sympathischen“ Skandinavien bereits umgesetzt worden sein soll. Dort bedeutet es in Wirklichkeit was ganz anderes: nämlich Medizin nach Leitlinien. Priorisierung ist jedenfalls nicht mehr lustig, wenn sie in der echten Not (s. Griechenland in der Finanzkrise) stattfindet. Es ist nur „schlau“, aber nicht wirklich klug, wenn Ärzte sich jetzt als die „kompetenteren“ Staatsbüttel für Rationierung anzudienen versuchen und sprachlich Rationierung jetzt euphemisch als „Priorisierung“ bezeichnen. Es zeugt nicht von „Verantwortung“, sondern vom Willen politisch mitzumischen. Für die Verteilung und Überwindung knapper Ressourcen hat es immer schon einen viel effizienteren, eleganteren und humaneren Weg gegeben als die Planwirtschaft: nämlich echten Markt und Transparenz.

Dr. med. Thomas Kajdi, 66333 Völklingen

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