ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2014Ebola: „Die Hilfe ist nicht vermurkst“

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Ebola: „Die Hilfe ist nicht vermurkst“

Dtsch Arztebl 2014; 111(50): A-2204 / B-1866 / C-1786

Richter-Kuhlmann, Eva

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Der Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, mahnt zu weiteren Hilfen in den betroffenen Gebieten. Besonders in die Infrastruktur der westafrikanischen Länder müsse investiert werden.

Foto: picture alliance
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Unkonventionell wirkt er im Nadelstreifenanzug und mit Pferdeschwanz: Walter Lindner, seit etwa zwei Monaten Ebola-Sonderbeauftragter der Bundesregierung. Der Jurist und Musiker mit langjährigen Erfahrungen als Diplomat und Krisenmanager im Auswärtigen Amt war seit seiner Ernennung drei Mal selbst in der Ebola-Krisenregion. Auch wenn die deutsche Hilfe nicht immer medizinisch und nicht direkt sichtbar sei, gebe es an vielen Stellen Unterstützung, berichtete er bei einem Fachgespräch mit Hilfsorganisationen des „Bündnis Entwicklung hilft“ am 1. Dezember in Berlin. Insgesamt habe die Bundesregierung 108 Millionen Euro für die Ebola-Nothilfe zur Verfügung gestellt. Das Entwicklungsministerium wolle nun um weitere 44 Millionen Euro aufstocken.

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Ein Jahr nach Ausbruch der Ebola-Pandemie in Guinea, Liberia und Sierra Leone zeichne sich eine Entspannung der Lage ab, wenngleich noch keine Entwarnung gegeben werden könne: Die Welt­gesund­heits­organi­sation beziffere die Zahl der offiziellen Ebola-Toten auf etwa 6 000 Menschen. „Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen sinkt, benötigen die Länder noch immer dringend Hilfe von außen, auch aus Deutschland“, erklärte Lindner. Die Bundesregierung sei in allen drei Staaten aktiv.

Der Ebola-Sonderbeauftragte räumte zwar Fehler im Umgang mit der Pandemie ein, relativierte diese aber: Ebola sei ein „Pioniergebiet“. „Es passieren Fehler, wenn man Neuland betritt und vielleicht auch mal in eine Sackgasse läuft.“ Die Hilfe der internationalen Gemeinschaft sei spät gekommen, jedoch keineswegs „vermurkst“, wie teilweise behauptet werde, betonte er. Lindners Ansatz ist pragmatisch: Über ein möglicherweise spätes Handeln und Versäumnisse solle man später nachdenken, sagte er. „Mein Job ist es jetzt, die Hilfe so schnell wie möglich in die Ebola-Gebiete zu bringen, effektiv einzusetzen und so gut wie möglich zu koordinieren.“ Dabei gelte es, auch auf sich ändernde Situationen zu reagieren.

„Jetzt kommt es darauf an, die Hilfen schnell, effizient und kontrolliert einzusetzen“ Walter Lindner, Ebola-Sonderbeauftragter. Foto: dpa
„Jetzt kommt es darauf an, die Hilfen schnell, effizient und kontrolliert einzusetzen“ Walter Lindner, Ebola-Sonderbeauftragter. Foto: dpa

Seit September werde die internationale Hilfe spürbar, berichtete Dr. med. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg. Die Ansteckungswege würden mittlerweile besser kontrolliert. Konzentrieren müsse man sich jetzt auf den Aufbau dezentraler Isolationsstationen für Infizierte und die Betreuung von Überlebenden und von Waisenkindern. „Ebola trifft den Nerv der Gesellschaft. Dort, wo eigentlich Geborgenheit und Fürsorge herrschen, in der Familie, dominiert die Angst vor Krankheit und Tod“, erläuterte die gerade aus Westafrika zurückgekehrte Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen, Dr. med. Gisela Schneider. „Es bleibt unglaublich viel zu tun“, sagte sie. Besonders dramatisch sei die generelle Überforderung der Gesundheitssysteme in den betroffenen Gebieten. „Alle starren nur auf Ebola. Keiner zählt die Malaria- und Tuberkulose-Toten. Keiner zählt die Mütter, die sterben, weil sie keinen Kaiserschnitt bekommen können und unter der Geburt verbluten. Man müsse langfristig in das lokale Gesundheitswesen investieren, Krankenstationen aufbauen sowie Ärzte und Krankenpfleger ausbilden.

Auch Lindner sieht den Aufbau von Strukturen als prioritär an. Derzeit bestehe die Gefahr der Korruption, durch die Hilfe in die falschen Hände geraten könnte. Die internationale Gemeinschaft müsse den Menschen zwar schnell helfen, jedoch nicht unkontrolliert.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Ärzte, die die Ebola-Bekämpfung vor Ort unterstützen wollen, können Kontakt mit dem Deutschen Roten Kreuz aufnehmen: www.drk.de

Auch Geldspenden können helfen: beispielsweise über das Bündnis Entwicklung hilft oder die Aktion Deutschland Hilft

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