ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2014Ambulante Versorgung: Armutszeugnis
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Man rätselt also, warum von den circa 30 000 Klinikärzten ausländischer Herkunft keiner in die Niederlassung will? Ich verrate es Ihnen: Deutschland ist ja bekanntermaßen ein nicht gerade fremdenfreundliches Land, in dem sogar Bürger aus dem Nachbarort Misstrauen erregen und in dem im ländlichen Ostdeutschland so mancher Kollege seine Mühe haben dürfte, ohne Blessuren von der Praxis nach Hause zu kommen.

Wer im Krankenhaus liegt, kann nicht wegrennen, wenn ein ausländischer Kollege den Raum betritt, selbst wenn er ungewohnt aussieht und gegebenenfalls Sprachprobleme hat. Dazu arbeitet er zu billigen Löhnen und meckert nicht herum. Aber würde man ihn auch in seiner Praxis aufsuchen? Nein? Eben.

Im Übrigen kann nicht oft genug betont werden, dass es ein Armutszeugnis für Deutschland ist, wenn wir als eines der reichsten Länder der Welt die Lösung unserer selbst verschuldeten Kapazitätsprobleme darin suchen, anderen Ländern, die zum Teil an der Schwelle zur dritten Welt stehen, ihre dringend benötigten Ärzte wegzunehmen, anstatt dem eigenen Nachwuchs endlich einmal planbare und faire Bedingungen zu bieten.

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Dr. med. Rupert Holderied, 81671 München

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