ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2014Multiples Myelom bei jüngeren Patienten: Hochdosistherapie bleibt zur Konsolidierung notwendig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiples Myelom bei jüngeren Patienten: Hochdosistherapie bleibt zur Konsolidierung notwendig

Dtsch Arztebl 2014; 111(51-52): A-2277 / B-1921 / C-1841

Gulden, Josef

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Körperlich fitte Patienten mit neu diagnostiziertem multiplen Myelom erhalten nach Induktionstherapie meist eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation. Ob neue Medikamente wie Proteasominhibitoren und Immunmodulatoren die Transplantation ersetzen können, war bislang unklar und Fragestellung der italienischen Myelom-Studiengruppe.

Insgesamt 273 Patienten mit neu diagnostiziertem Myelom wurden nach Induktion mit Lenalidomid und niedrigdosiertem Dexamethason zweimal randomisiert: Zur Konsolidierung erhielt die Hälfte von ihnen 200 mg/m2 Melphalan und eine Stammzelltransplantation, die andere Hälfte sechs vierwöchige Zyklen des MPR-Regimes (Melphalan 0,18 mg/m2 an den Tagen 1–4, Prednison 2 mg/kg an den gleichen Tagen und Lenalidomid 10 mg an den Tagen 1–21). Innerhalb von drei Monaten nach Ende der Konsolidierung wurden 251 Patienten erneut randomisiert, eine Erhaltungstherapie mit vierwöchigen Zyklen von Lenalidomid (10 mg Tage 1–21 bis zur Progression) oder keine Erhaltungstherapie zu erhalten.

Nach median 51,2 Monaten war das progressionsfreie Überleben im Transplantationsarm gegenüber MPR beinahe verdoppelt (median 43 vs. 22,4 Monate; Hazard Ratio [HR]: 0,44; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,32–0,61; p < 0,001). Auch die Gesamtüberlebensrate war nach vier Jahren im Transplantationsarm signifikant verbessert (81,6 % vs. 65,3 %; HR: 0,55; 95-%-KI: 0,32–0,93; p = 0,02).

Unter Erhaltungstherapie mit Lenalidomid verdoppelte sich das progressionsfreie Überleben fast: von median 21,6 auf 41,9 Monate (HR: 0,47; 95-%-KI: 0,33–0,65; p < 0,001). Beim Gesamtüberleben ergab sich ein numerischer, nichtsignifikanter Vorteil (88,0 % vs. 79,2 % nach 3 Jahren; HR: 0,64; 95-%-KI: 0,36–1,15; p = 0,14).

Die Melphalan-Hochdosistherapie war mit erheblich mehr Grad-3/4-Nebenwirkungen verbunden, die aber insgesamt gut handhabbar waren. In der Erhaltungs-phase waren unter Therapie mit Lenalidomid mehr Grad-3/4-Toxizitäten zu beobachten; in 14,7 % der Fälle musste die Lenalidomid-Dosis reduziert werden, aber nur 5,2 % der Patienten brachen die Behandlung wegen Toxizität ab.

Gesamtüberleben 5 Jahre nach der Diagnose multiples Myelom
Gesamtüberleben 5 Jahre nach der Diagnose multiples Myelom
Grafik
Gesamtüberleben 5 Jahre nach der Diagnose multiples Myelom

Fazit: Die Hochdosistherapie war in allen Patientensubgruppen einer Phase-3-Studie wirksamer als Proteasominhibition und Immunmodulation und bleibe damit Standard, resümiert Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt, Universitätsklinik Heidelberg. „Das Verschieben der Transplantation auf die Zweitlinie ist wahrscheinlich keine gute Option.“ Nicht einmal zwei Drittel der Patienten aus dem MPR-Arm konnten sie bei Krankheitsprogress noch erhalten. In zwei von drei weiteren großen Studien, in denen diese Fragestellung zurzeit untersucht wird, enthält die experimentelle Konsolidierungstherapie die Kombination Bortezomib plus Lenalidomid. Die Lenalidomid-Erhaltungstherapie verlängerte die Progressionsfreiheit, während ein Überlebensvorteil nicht signifikant ausfiel, möglicherweise aufgrund der relativ geringen Patientenzahlen. Von drei weiteren Studien zur Erhaltungstherapie mit Lenalidomid ergab nur eine einen signifikanten Überlebensvorteil.

Josef Gulden

Palumbo A, et al.: Autologous transplantation and maintenance therapy in multiple myeloma. N Engl J Med 2014; 371: 895–905.

Gesamtüberleben 5 Jahre nach der Diagnose multiples Myelom
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Gesamtüberleben 5 Jahre nach der Diagnose multiples Myelom

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