ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2015Die Misteltherapie als homöopathische Magie
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Seit Menschengedenken ist der Mistelzweig Gegenstand abergläubischer Verehrung in Europa gewesen. Plinius beschrieb, dass den Druiden nichts heiliger gewesen sei als die Mistel und der Baum auf dem sie wächst, vorausgesetzt, dass dies eine Eiche ist. Die Druiden nannten die Mistel den Allheiler. Im heutigen Keltisch der Bretagne, von Wales, Irland und Schottland steht der Name Allheiler noch immer für die Mistel (1).

Die Meinung der Ärztewelt über die heilenden Wirkungen der Mistel haben indessen einen entscheidenden Wandel erfahren. Während Druiden der Meinung waren, die Mistel heile alles, scheinen Ärzte der neueren Zeit zu glauben, dass sie nichts heile (2). Die wertvollste Eigenschaft der Mistel ist vielleicht die, dass sie genügend Sicherheit gegen Zauberei bietet. Rudolf Steiner (1861–1925) gründete die Anthroposophische Gesellschaft, eine Art Mischreligion und -philosophie, die unter anderem anthroposophische Krankenhäuser, Waldorf-Kindergärten und -Schulen, heilpädagogische Einrichtungen und auch die biologisch-dynamische Landwirtschaft Demeter beeinflusst. Die anthroposophisch erweiterte Medizin gibt keine Dogmen vor, die einem anthroposophischen Arzt vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat. Ein anthroposophischer Arzt ist zunächst einmal Arzt und hat eine ganz normale schulmedizinische Ausbildung. Die anthroposophische Erweiterung sagt, dass der Mensch eine Einheit sei aus Körper, Seele und Geist (3). Trotz jahrzehntelanger Verwendung gibt es bis jetzt aber keinen Nachweis, dass der Einsatz der Mistel bei Krebskranken lebensverlängernd wirkt oder die Neigung zur Bildung von Metastasen herabsetzt. Weil die Gefahr besteht, dass durch die Anregung der Immunabwehr auch das Tumorwachstum angeregt wird und wegen möglicher Nebenwirkungen (bis hin zur lebensbedrohlichen Schocksituation) lehnen sowohl die American Cancer Society als auch die Schweizer Gesellschaft für Onkologie Mistelinjektionen ab.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0009a

Dr. med. Martin Pollmeier

Maudacher Straße 72

67063 Ludwigshafen

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Frazer JG: Der Goldene Zweig, das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker. Frankfurt: Rowohlt Taschenbuch-Verlag 1991.
2.
Langbein K, Martin HP, Weiss H (eds.): Bittere Pillen, Nutzen und Risiken der Arzneimittel, Köln: Kiepenheuer & Witsch, revised reprint 2011–13.
3.
Weleda AG: Mistel & Mehr, Integrative Krebsbehandlung, Leitfaden.
4.
Tröger W, Galun D, Reif M, Schumann A, Stankovic´ N, Milic´ evic´ : M: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 493–502. VOLLTEXT
1.Frazer JG: Der Goldene Zweig, das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker. Frankfurt: Rowohlt Taschenbuch-Verlag 1991.
2.Langbein K, Martin HP, Weiss H (eds.): Bittere Pillen, Nutzen und Risiken der Arzneimittel, Köln: Kiepenheuer & Witsch, revised reprint 2011–13.
3.Weleda AG: Mistel & Mehr, Integrative Krebsbehandlung, Leitfaden.
4.Tröger W, Galun D, Reif M, Schumann A, Stankovic´ N, Milic´ evic´ : M: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 493–502. VOLLTEXT

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