ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2015Mehr Fragen offen als beantwortet
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Die Autoren haben die Mistelstudie in Belgrad (Serbien) durchgeführt, weil serbische Ärzte und Patienten „völlig fehlende Erwartungshaltungen … gegenüber einer Misteltherapie“ hätten, weil in Serbien „Mistelextrakte weder bekannt noch verfügbar seien“. Abgesehen davon, dass es unwahrscheinlich ist, dass universitäre Onkologen nicht die internationale Literatur auch zu Außenseitermethoden kennen sollten, wäre es die Pflicht der Sponsoren aus Freiburg gewesen, die beteiligten serbischen Ärzte vor dem Versuch über die Misteldiskussion aufzuklären.

Eine monozentrische Studie mit 220 Patienten, von denen nur 168 auswertbar waren, als Phase-III-Studie zu deklarieren, missachtet alle GCP-ICH-Anforderungen an valide Studien. Außerdem kann ein vorzeitiger Studienabbruch zur Überschätzung der Wirksamkeit eines Arzneimittels führen.

Die Randomisierung erfolgte Misteltherapie versus keine Misteltherapie. Auf eine Verblindung der Studie wurde bewusst verzichtet, weil als Zeichen einer optimalen Dosierung lokale Hautreaktionen und leichte Temperaturerhöhungen gelten.

Da die Autoren als wirksame Misteltherapie gemäß anthroposophischer Haltung das Präparat Iscador® Qu wählten (Qu steht für Quercus; also Eichenmistel-Extrakt), wäre es durchaus angemessen gewesen, verblindet gegen ein weniger wirksames oder unwirksames Mistelpräparat von Apfelbäumen, Kiefern oder Ulmen zu testen, um die Präferenz von Eichenmistel zu begründen.

Fazit: Wieder eine Mistelstudie, die mehr Fragen offen lässt als solide beantwortet. Allein der Hersteller von Iscador® Qu, die Weleda AG (Arlesheim, Schweiz) kann sich freuen, da in absehbarer Zeit wohl auch Serbien zu einem neuen Absatzgebiet für seine Präparate werden wird. Da dann aber auch serbische Ärzte und Patienten einer Mistelanwendung mit bestimmten Erwartungshaltungen gegenüberstehen, ist wohl eine notwendige multizentrische verblindete Therapiestudie auch in diesem Land nicht mehr zu erwarten.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0011a

Prof. Dr. med. Frank P. Meyer

Wanzleben-Börde

U_F_Meyer@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Tröger W, Galun D, Reif M, Schumann A, Stankovic´ N, Milic´ evic´ : M: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 493–502. VOLLTEXT
1.Tröger W, Galun D, Reif M, Schumann A, Stankovic´ N, Milic´ evic´ : M: Quality of life of patients with advanced pancreatic cancer during treatment with mistletoe—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 493–502. VOLLTEXT

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