ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2015Psychotherapeutentag: Verdrehungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Legende zum Bilddokument in Ihrem Bericht zum 25. Deutschen Psychotherapeutentag verdreht den Sachverhalt. Die Delegierten in der ersten Reihe, die ihren Arm heben (die Verfasser dieses Leserbriefes), haben weder für ein Hochschulstudium der Psychotherapie, das mit einer Approbation endet, gestimmt, wie man entsprechend der Bildunterschrift glauben könnte, noch war dies Gegenstand der auf dem Bild zu sehenden Abstimmung. Die Abstimmung über die Richtung einer Ausbildungsreform erfolgte vielmehr schriftlich und geheim, ebenso wie eine vorausgegangene Abstimmung über den Approbationszeitpunkt. In dieser vorausgegangenen Abstimmung votierten 51 Delegierte dafür, den Approbationszeitpunkt bei einer Entscheidung für eine Ausbildungsreform zugunsten weiterer Klärungen offen zu halten, während 76 Delegierte dagegen stimmten. Damit ist diese Abstimmung über den Approbationszeitpunkt deutlich knapper ausgefallen als die nachfolgende Abstimmung zur Richtung der Ausbildungsreform.

Die Verdrehung hinsichtlich des Bilddokuments ist aber in gewisser Weise sinnbildlich für viele Verdrehungen, die es auf diesem 25. DPT gegeben hat. Vor dem Hintergrund der Entwürfe zu einem Berufsbild und einem Kompetenzprofil, die beide im Deutschen Psychotherapeutentag weder konsentiert noch zur Abstimmung gegeben wurden, wurde die Notwendigkeit eines Direktstudiums mit Approbation vom Bundeskammerpräsidenten trotz bekannter Alternativen als unabdingbare Lösung präsentiert. Prof. Richter zögerte auch nicht, die Unterschriften von 5 000 Psychotherapeuten für Rechtssicherheit bei den Zugangsvoraussetzungen als Votum für ein Direktstudium zu vereinnahmen. Dabei hatten diese Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld des 25. DPT eine zeitnahe Regelung der Zugangsvoraussetzungen – gemäß eines aktuellen Vorschlages der Autoren des Forschungsgutachtens – unabhängig von weiteren Reformbemühungen gefordert.

Die Diskussion, die in Ihrem Bericht als sachlich beschrieben wird, war doch in der Sache sehr verkürzt. Es ging ganz erheblich um Macht- und Statusfragen, um eine Gleichstellung mit den Ärzten in der Versorgung und um Fragen der Finanzierung. Die große Gefahr, eine auch im Forschungsgutachten aus 2009 attestierte hohe Qualität der bisherigen Ausbildung aufzugeben, wenn Psychotherapeuten in Anstellungsverhältnissen und in der Versorgung weitergebildet würden, wurde in der Diskussion kaum thematisiert. Insofern können wir dem bedauerlichen Resümee in Ihrem Bericht nur zustimmen: „Viele Bedenken blieben auf der Strecke“.

Anzeige

Dipl.-Psych. Georg Schäfer, 53115 Bonn,
Dr. phil. Dipl.-Psych. Rupert Martin, 50670 Köln

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Stellenangebote