ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2015Psychotherapie: Kalt entmündigt
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Ich halte den Beitrag für unlauter, weil geschrieben von Autoren, die in einem Interessenkonflikt stehen. Sie verteidigen die angebliche „objektive“ Notwendigkeit des Gutachterverfahrens und sind jedoch selber Gutachter, das heißt sie rechtfertigen letztlich ihren Gelderwerb. Es geht in dem Artikel auch nicht mehr um Qualitätssicherung, denn das Gutachterverfahren hat sich in diesem Sinne als unnötig und unwissenschaftlich herausgestellt.
Da erweist es sich von den Autoren als recht geschickt, das Gutachterverfahren umzudeuten als Instrument der „Ressourcen-Allokation und Erfüllung des Sicherstellungsauftrags“. Es soll als Steuerungsinstrument im Sinne der Kassen und der „Solidargemeinschaft“ weiter ausgebaut werden, da „zu prüfen wäre, ob nicht zu sehr auf therapeutische Aspekte der Indikation abgestellt wird und zu wenig auf das Notwendigkeits- und Wirtschaftlichkeitsgebot.“ Das umfassende Fachverständnis für solche Entscheidungen sehen die Autoren allein bei den Gutachtern. Die hoch qualifizierten Psychotherapeuten, deren Arbeit nachgewiesenermaßen wirtschaftlich und hocheffizient ist, werden mit diesen Vorschlägen kalt entmündigt. Der Gutachter, der den Patienten nicht einmal sieht, kann eine Behandlungsentscheidung angeblich besser treffen. Das Unethische dieses Handelns, da durch den Gutachter notwendige Psychotherapie vorenthalten wird, wird gar nicht weiter diskutiert. (...)

Christoph J. Stengel, Psychologischer Psychotherapeut, 81379 München

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