ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2015Psychotherapie: Getarnte Polemik
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Die Autoren stellen in ihrer als Artikel getarnten Polemik zur Psychotherapie ganz einfach das fest, was für die gesamte somatische Medizin gleichermaßen gilt: Viel Medizin ist teuer, wenig ist billig, gar keine kostet gar nichts.

Ich stelle daher analog folgende Forderung an unsere somatisch tätigen Kollegen am Beispiel des Diabetes mellitus Typ II: Vor jeder Behandlung ist ein Gutachten einzuholen mit Bericht (Zeitaufwand der Begründung je nach Komplexität bis zu fünf Stunden, Honorar dem der Psychotherapieanträge angeglichen, also gesetzlicher Mindestlohn). Andernfalls Abschaffung aller Behandlung und aller prophylaktischen Maßnahmen, die Spätfolgen verhindern sollen; medizinische Behandlung erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, also zum Beispiel Abwarten der Amputationsfähigkeit oder Einrichten eines Shunts zur Dialyse . . . Der Erfolg bei Anwendung auch bei unbewegten Herz-Kreislauf-Kranken, rauchenden Bronchitikern etc.: überflüssige Praxen, mehr Geld in den Kassen, kein Ärztemangel mehr. In welcher gedanklichen Steinzeit bewegen sich die Psychotherapiegegner denn immer noch wider alle Studien, nach denen PT nicht zulasten sondern zum Nutzen der Solidargemeinschaft geht, weil die Menschen bei einer erstaunlich hohen, von der Medizin bislang nicht erreichten Erfolgsquote profitieren, weniger krank werden, weniger frühberentet werden müssen, weniger arbeitslos werden etc.? Psychotherapie erfordert im Gegensatz zum Pillenschlucken von den Patienten einen erheblichen Kraft- und Zeitaufwand und den Mut zur Innenschau, zu dem wohl nicht einmal alle Mediziner bereit wären (vielleicht rührt daher auch die Angst davor) . . .

Dr. med. Kurt Schulz, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 83024 Rosenheim

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