ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2015Erweiterter Suizid: Versuch das Selbstkonzept zu schützen

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Erweiterter Suizid: Versuch das Selbstkonzept zu schützen

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Ein erweiterter Suizid (auch Homizid-Suizid genannt) ist eine besonders schwerwiegende Form des Suizids, weil mindestens ein weiterer Mensch in die Tötungshandlung einbezogen wird. Wie Psychiater und Rechtsmediziner um Florence Hellen von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berichten, werden Suizid (Selbsttötung) und Homizid (Tötung einer anderen Person) meisten am selben Ort oder in räumlicher Nähe sowie in rascher chronologischer Abfolge begangen. Die zumeist männlichen Täter sind im höheren Alter und verwenden hauptsächlich Schusswaffen. Ihre Opfer sind meistens ihre Partnerinnen, seltener ihre Kinder oder andere Personen – im Gegensatz dazu nehmen weibliche Personen eher ihre Kinder mit in den Tod. Die Wissenschaftler analysierten zehn Fälle von erweiterten Suiziden, die sich zwischen 2006 und 2011 im Einzugsgebiet der Rechtsmedizin Düsseldorf ereignet haben und konnten dadurch weitere Erkenntnisse gewinnen: Bei den zehn Fällen spielten Depressivität, psychiatrische Auffälligkeiten (narzisstische Persönlichkeitsmerkmale, emotionale Instabilität, Impulsivität, Substanzmissbrauch) und Depressivität eine Rolle. In vier Fällen war der Waffenbesitz legal (Jäger). Fast immer wurden die Opfer in der gemeinsamen Wohnung getötet. Die Täter wurden in unmittelbarer Nähe der Opfer gefunden. Typisch war zudem ein kumulatives Risiko, da bei jedem untersuchten Fall mindestens drei oder mehr Risikofaktoren vorlagen. Die Autoren deuten den erweiterten Suizid als Unfähigkeit, auf selbstbildgefährdende Lebensveränderungen zu reagieren, sowie als Versuch, das Selbstkonzept zu schützen. ms

Hellen F, Lange-Asschenfeldt C, Huckenbeck W, Hartung B: Der „erweiterte Suizid“. Nervenarzt 2014; 85(9): 1144–50.

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