ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2015Schlaf- und Beruhigungsmittel: Bis zu 1,6 Millionen Benzodiazepin-Abhängige

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Schlaf- und Beruhigungsmittel: Bis zu 1,6 Millionen Benzodiazepin-Abhängige

Meißner, Marc

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Die Anwendungsdauer von Benzodiazepinen sollte zwei bis vier Wochen betragen. Foto: Fotolia/Gina Sanders
Die Anwendungsdauer von Benzodiazepinen sollte zwei bis vier Wochen betragen. Foto: Fotolia/Gina Sanders

Jährlich werden 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen abgerechnet. Ungefähr die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet, was jedoch meist nicht berücksichtigt wird. Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher unbekannt, liegt unterschiedlichen Studien zufolge aber zwischen 128 000 und 1,6 Millionen Menschen in Deutschland. Katrin Janhsen et al. zeigen in ihrer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (DÄ, Heft 1–2/2015), wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zustande kommt und worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

Benzodiazepine sind wichtige Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen kaum wegzudenken sind. Verbreiteter sind sie jedoch als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jeder Zweite, der eines dieser Medikamente zu sich nimmt, schluckt es aufgrund von Schlafstörungen und jeder Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

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Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit rund 40 Jahren bekannte Probleme. Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben daher seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch auf einen häufig andauernden Verbrauch hin.

Muss ein Benzodiazepin-Abhängiger entwöhnt werden, ist ein langwieriger Entzug notwendig. Bei ausgeprägter Medikamentenabhängigkeit muss sogar eine stationäre Behandlung durchgeführt werden, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas zeigen. Sie betonen, dass Ärzte Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Prävention und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten. mei

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