ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2015Internetabhängigkeit: Noch viel Forschung notwendig

Referiert

Internetabhängigkeit: Noch viel Forschung notwendig

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Internetabhängigkeit wird als übermäßiger Gebrauch des Internets beschrieben. Charakteristisch sind folgende Symptome: eine ausgeprägte Beschäftigung mit dem Internet; Entzugssymptome, wenn das Internet nicht verfügbar ist; Toleranzentwicklung, das heißt, es wird eine zunehmende Internetnutzung benötigt, um Befriedigung zu erlangen; Kontrollverlust, das heißt, es wurden erfolglose Versuche durchgeführt, die Internetnutzung zu reduzieren; Desinteresse an Hobbys, anderen unterhaltenden Aktivitäten und Sozialkontakten; kontinuierlicher exzessiver Internetgebrauch trotz des Wissens um psychosoziale Probleme und anderer negativer Konsequenzen; Täuschung von Verwandten und Therapeuten über das tatsächliche Ausmaß der Internetnutzung; Gebrauch des Internets, um vor negativen Gefühlen zu entfliehen; Verlust von wichtigen Beziehungen, Beruf, Ausbildungs- oder Karrierechancen aufgrund exzessiven Internetgebrauchs.

Die Internetabhängigkeit ist eine noch relativ neue psychische Krankheit. Sie ist seit 2013 im DSM-5 aufgenommen. Die Psychologen Daniel King und Paul Delfabbro von der University of Adelaide (Australien) interessierte, ob es bereits aussagekräftige Studien zur Behandlung und zum Langzeitverlauf der Erkrankung gibt. Sie führten eine Literaturrecherche durch und werteten acht einschlägige Studien aus. Das Ergebnis war allerdings ernüchternd, denn die Studien wiesen zum Teil methodische Mängel auf und waren nicht vergleichbar. Die Autoren berichten, dass Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, wirksam sein kann. Nach ihrer Meinung erfordert es noch intensiver Forschungsarbeit, um valide Erkenntnisse über die Internetabhängigkeit zu gewinnen. ms

King D, Delfabbro P: Internet gaming disorder treatment. Journal of Clinical Psychology 2014; 70(10): 942–55.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote