ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2015Praxisassistentinnen: Hinters Licht geführt
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. . . In Wirklichkeit wurde den niedergelassenen Allgemeinärzten mit der Einführung der „Praxisassistentin“ leider ein Bärendienst erwiesen. Abgesehen davon, dass die Verteilung der 132 Millionen Euro an rigide Bedingungen geknüpft wurde (Fachärzte dagegen profitieren sofort durch Verbesserung der fachärztlichen Grundversorgung), braucht man sich nur das finanzielle Verteilungsmuster anschauen. 17 Euro pro Helferinnenbesuch und ein lächerlicher Aufschlag auf das Regelleistungsvolumen – und das für maximal 600 Fälle – refinanzieren in keiner Weise die zu erwartenden Kosten. Die Praxisassistentinnen müssen ja erst mal ausgebildet werden, vorsichtige Kostenschätzungen dafür gehen von 2 000 bis 3 000 Euro aus. Zusätzlich fällt die betreffende Helferin einen Monat wegen der meist auswärtigen Schulungen aus und wird sich einen vielleicht besser bezahlten Arbeitsplatz suchen, sobald sie die vom Praxisinhaber vorgestreckten Ausbildungskosten abgearbeitet hat. Wie viele Hausbesuche könnte sie denn sinnvollerweise wirklich machen? Vielleicht vier pro Arbeitstag (Umsatz 68 Euro!)? Und sind die dann medizinisch auch erforderlich? Oder kommt sie mit diesen Hausbesuchen nur dem bisher eingebundenen Pflegedienst ins Gehege? . . . Eine seriöse Kosten-Nutzen-Analyse wird aber belegen: Bei den Hausärzten selbst bleibt nicht ein Euro hängen. Die teilnehmenden Hausärzte unterstützen vielmehr den Versuch, ihren Berufsstand auszuhöhlen und zumindest in der Fläche durch ein deutlich geringeres Kompetenzniveau zu ersetzen. Die Verantwortung dürfen wir aber natürlich weiter allein tragen. Die Haftpflichtprämien werden mit Sicherheit steigen. Ich kann die gutgläubigen Kollegen nur warnen: Lasst euch in der Scheinhoffnung auf ein wenig mehr unbudgetiertes Geld nicht den Blick trüben. Denn „unbudgetiert“ heißt ja nur „im Augenblick noch unbudgetiert“ und nur solange die Zahl ausgebildeter Praxisassistentinnen am Markt gering ist. Man denke nur an die ärztlichen Hausbesuche: Wir dürfen so viele machen, wie wir wollen. Bezahlt (mit 20 Euro, das heißt drei Euro mehr, als den Helferinnen zugestanden wird!) werden nur so viele, wie wir im Vergleichsquartal des Vorjahres gemacht haben. Einer ähnlich perversen Regelung werden auch in absehbarer Zeit die Helferinnenbesuche unterliegen. Festzustellen bleibt, dass wir Hausärzte mal wieder nach Strich und Faden hinters Licht geführt werden sollen. Eine Sicherung der hausärztlichen Versorgung sieht anders aus.

Dr. med. Rudolf Mengersen, 37671 Höxter

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