ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2015Frage der Woche an . . . Bettina Berdux-Plaschke, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Schweden

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Bettina Berdux-Plaschke, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Schweden

Was ist am schwedischen Gesundheitssystem besser als am deutschen System?

Rieser, Sabine

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Bettina Berdux-Plaschke (57) hat 15 Jahre in Berlin als Anästhesistin gearbeitet, bevor sie 2007 mit ihrer Familie nach Schweden zog, wo sie heute als Fachärztin für Allgemeinmedizin in einer staatlichen Gesundheitszentrale in Kalmar/Südschweden arbeitet.

Was ist am schwedischen Gesundheitssystem besser als am deutschen System?

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Berdux-Blaschke: Besser gefallen mir in Schweden die klareren Strukturen und die flachere Hierarchie. Ich arbeite zusammen mit Kollegen in einer sogenannten Vårdscentrale, einer Art staatlichen Gemeinschaftspraxis, im Auftrag der Provinz Kalmar. Dies ist hier die normale Form der ambulanten Versorgung, es gibt nur ganz wenige niedergelassene Ärzte.

Wir orientieren uns stark an medizinischen Leitlinien und haben eher vorgegebene Arbeitsweisen im Hinblick zum Beispiel auf Antibiotikatherapie, Diabetes, diagnostische Algorithmen. Als Einschränkung oder Gängelung empfinde ich die Vorgaben nicht. Die Leitlinienempfehlungen sind evidenzbasiert. Sie sind eine gute Hilfestellung für die Versorgung. Wir haben zudem deutlich mehr Zeit für den einzelnen Patienten und für kollegiale Gespräche. Eine klare Pausenregelung ist gewollt und dient dem Arbeitsklima. Fortbildung ist ein Muss und Teil der Arbeitszeit.

Wenn man Allgemeinarzt werden und Arbeit und Familie unter einen Hut bringen will, ist Schweden optimal. Die Weiterbildung ist sehr gut strukturiert. Sie wird für jeden Arzt genau durchgeplant, die einzelnen Einsatzorte werden zusammen mit dem Studiendirektor festgelegt. Jedem Arzt in Weiterbildung steht zudem ein Fortbildungsbudget zur Verfügung. Von diesem Geld kann er Kurse belegen, Kongresse besuchen oder anderes finanzieren, was ihm für seine Weiterbildung als sinnvoll erscheint. Der Arbeitgeber organisiert auch einige der obligatorischen Kurse selbst.

Ich habe die Weiterbildung hier durchlaufen und bilde nun selbst als Mentorin („Handledare“) junge Allgemeinmediziner aus. Ich plane mit ihnen und dem Studiendirektor die gesamte Zeit von sechs Jahren. Das lässt sich natürlich noch variieren, beispielsweise wenn man in Elternzeit gehen möchte. Das ist übrigens auch phantastisch in Schweden: Man kann seine Weiterbildung absolvieren und trotzdem Kinder bekommen. Das ist in Deutschland immer noch viel schwerer möglich. Und noch etwas: Von einem Arztgehalt kann eine Familie hier prima leben.

Besser gefällt mir in Schweden auch die Arbeitszeitregelung. Auf meiner vollen Stelle arbeite ich 40 Stunden pro Woche. Wir machen recht wenige Überstunden, und die können wir dann in Rücksprache mit den Kollegen sehr flexibel ausgleichen. Vielleicht sollte ich noch die gesetzlich garantierten vier Wochen Sommerurlaub am Stück erwähnen.

Was die Versorgung der Patienten betrifft, gibt es in Schweden andererseits ähnliche Probleme wie in Deutschland. Wir haben hier weit weniger Ressourcen. Auf einen Routine-MRT-Termin wartet ein Patient schon mal drei bis vier Monate. Die ländlichen Regionen sind unterversorgt, weil viele junge Ärztinnen und Ärzte lieber in den größeren Städten arbeiten wollen. Es sind eher Familien und die Älteren, die aufs Land gehen, vor allem, weil sie die Nähe zur Natur schätzen. Wer aufs Land oder in weniger beliebte kleinere Städte geht, wird besser bezahlt und bekommt Zulagen. Rie

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