ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2015Randnotiz: Goldrausch in grün
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Dass der Drogenhandel lukrativ und zugleich gefährlich ist, weiß man nicht erst seit diversen Hollywood-Streifen über die italienische Mafia in den USA, die als Pizza-Connection mit Drogen reich wurde. Vielleicht auch deshalb sind „legale Drogen“ wie Tabak und Alkohol in den USA streng reglementiert. Rauchverbote in Parks oder Fußgängerzonen sind im Gespräch, der Verzehr von Alkohol in der Öffentlichkeit ist verpönt oder sogar verboten.

Und dann das: Colorado legalisierte als erster US-Bundesstaat den privaten Konsum von Cannabis. Das Geschäft begann und die Steuerbehörde freute sich am Ende des Jahres über 70 Millionen Dollar Mehreinnahmen. Da fallen die gesundheitlichen Folgen des Marihuana-Konsums wie drohende Hirnveränderungen (PNAS 2014, doi:10.1073/pnas.1415297111) schon mal unter den Tisch.

Die Cannabis-Shops verdrängen erfolgreich das alte Kiffer-Image mit freundlicher Designer-Einrichtung und professionellem Marketing. Das große Geld lockt: US-Investor Peter Thiel (Facebook, Airbnb, Space X) beteiligt sich mit Millionen an der Private-Equity-Firma Privateer Holdings, die unter dem Namen „Marley Natural“ – Bob Marley lässt grüßen – Cannabis, Cremes und Pfeifen auf den Markt bringen will. Da man das gekaufte Haschisch aber nicht in der Öffentlichkeit rauchen darf, entstehen zusätzliche Geschäftsmodelle: Unterkünfte, in den der Cannabis-Konsum zum Frühstück zelebriert wird oder Stadtrundfahrten für Touristen, die schnell einen Joint rauchen wollen. Und genauso schnell ist vergessen, das der grüne Goldrausch eine Droge immer mehr verharmlost und sie zu einem vermeintlich ungefährlichen Konsumgut mutiert.

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