ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2015Erläuterungen zu Änderungen der Psychotherapie-Richtlinie: Indikation gem. § 22 Abs. 2 Nr. 4. Psychosen und EMDR als Methode bei PTBS bei Erwachsenen

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Erläuterungen zu Änderungen der Psychotherapie-Richtlinie: Indikation gem. § 22 Abs. 2 Nr. 4. Psychosen und EMDR als Methode bei PTBS bei Erwachsenen

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Änderung der Formulierung des Anwendungsbereiches „Psychische Begleit-, Folge- oder Residualsymptomatik psychotischer Erkrankungen“ in § 22 Absatz 2 Nr. 4 PT-RL in „Schizophrene und affektive psychotische Störungen“.

Die bisherige Festlegung in § 22 Absatz 2 Nr. 4 der PT-RL ermöglichte zwar nach Auffassung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses bereits die ambulante psychotherapeutische Behandlung von Versicherten mit psychotischen Störungen, einschließlich der Schizophrenie, sowie von schizotypen und wahnhaften Störungen. Der explizite Bezug auf die Behandlung von Begleit-, Folge oder Residualsymptomatik wurde jedoch zunehmend als Einschränkung verstanden, welche eine ambulante psychotherapeutische Behandlung von Versicherten mit psychotischen Störungen verhindere und darüber hinaus nicht mehr dem aktuellen Stand der Erkenntnis entspreche. Durch die Neufassung soll nun zum einen klargestellt werden, dass psychotische Störungen mit ambulanter Psychotherapie behandelt werden können, wenn die sonstigen Bedingungen der Psychotherapie-Richtlinie (insbesondere §§ 1–4) erfüllt sind. Zum anderen soll dem Sachverhalt klärend Rechnung getragen werden, dass auch die Kern- bzw. Akutsymptomatik psychotischer Störungen durch Richtlinien-Psychotherapie behandelt werden kann.

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Der damals in § 22 Abs. 2 Nr. 4 PT-RL gewählte Indikations-Begriff „Psychische Begleit-, Folge- oder Residualsymptomatik psychotischer Erkrankungen“ war jedoch inhaltlich weiter gefasst gewesen als das Kapitel F20–F 29 der ICD 10. Er beinhaltete neben den Schizophrenien auch die bipolaren Störungen, die als affektive psychotische Störung einzuordnen und unter Kapitel F3 der ICD 10 aufgeführt sind. Dieser Tatsache trägt die Neufassung „Schizophrene und affektive psychotische Störungen“ Rechnung.

Aufnahme der EMDR als Methode bei Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bei Erwachsenen

Nach der positiven Bewertung im Nutzenbericht der sektorenübergreifenden Bewertung im Unterausschuss Methodenbewertung (UA MB) in seiner Sitzung am 27.02.2014 mit dem Ergebnis „deutliche Hinweise auf Nutzen“ für EMDR (Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing) bei Erwachsenen bei der Indikation Posttraumatische Belastungsstörung hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss beschlossen, diese als Methode in die Psychotherapie-Richtlinie aufzunehmen. Danach ist eine mögliche Einbindung der EMDR sowohl in verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Behandlungspläne möglich. Die Abrechnung entsprechender Leistungen erfolgt dann nach den jeweiligen EBM-Nummern des entsprechenden Richtlinien-Verfahrens.

Weiterhin enthält der Richtlinientext allgemeine Angaben zur erforderlichen Qualifikation und einen Verweis zur näheren Ausgestaltung der Anforderungen, die laut § 27 der Richtlinie in der Psychotherapie-Vereinbarung erfolgen sollen.

Der Gemeinsame Bundeausschuss hat die Änderungen in seiner Sitzung am 16. Oktober 2014 beschlossen. Sie sind nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit am 03.01.2015 in Kraft getreten. Sie wurden im Bundesanzeiger vom 02.01.2015 bekannt gegeben. KBV

Bekanntmachungen

Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Psychotherapie-Richtlinie: § 22 Absatz 2 Nr. 4

Vom 16. Oktober 2014

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat in seiner Sitzung am 16. Oktober 2014 beschlossen, die Richtlinie über die Durchführung der Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung (Psychotherapie-Richtlinie), zuletzt geändert am 18. April 2013 (BAnz AT 18.06.2013 B 6), wie folgt zu ändern:

I. In § 22 Absatz 2 wird die Nummer 4 wie folgt gefasst:

„4. Schizophrene und affektive psychotische Störungen.“

II. Die Änderung der Richtlinie tritt am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die Tragenden Gründe zu diesem Beschluss werden auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses unter www.g-ba.de veröffentlicht.

Berlin, den 16. Oktober 2014

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss
gemäß § 91 SGB V

Der Vorsitzende
Hecken

Beschluss des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses über eine Änderung der Psychotherapie-Richtlinie: EMDR bei Erwachsenen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen und Umstrukturierung der Anlage 1

Vom 16. Oktober 2014

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss hat in seiner Sitzung am 16. Oktober 2014 beschlossen, die Anlage 1 der Richtlinie über die Durchführung der Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung (Psychotherapie-Richtlinie), zuletzt geändert am 18. April 2013 (BAnz AT 18.06.2013 B 6), wie folgt zu ändern:

I. Nach der Angabe „Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss stellt gemäß § 17 Absatz 3 der Richtlinie fest:“ wird folgende Angabe eingefügt:

„I. Die nachstehenden Verfahren, Methoden und Techniken können wie folgt Anwendung finden:“

II. Die Angabe „3. Die Erfordernisse der Psychotherapie-Richtlinie werden nicht erfüllt von:“ wird ersetzt durch die Angabe

„II. Die folgenden Psychotherapieverfahren, Psychotherapiemethoden und psychotherapeutischen Techniken können keine Anwendung finden, da die Erfordernisse der Psychotherapie-Richtlinie nicht erfüllt werden:“

III. Nach der Nummer I.2 wird folgende Nummer I.3 eingefügt:

„3. Eye-Movement-Desensitization and Reprocessing (EMDR) kann bei Erwachsenen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen als Behandlungsmethode im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzeptes der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder analytischen Psychotherapie Anwendung finden. Die Anwendung setzt eine hinreichende fachliche Befähigung voraus, das heißt eine Qualifikation in der psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung einschließlich der Methode EMDR. Das Nähere ist entsprechend § 27 in der Psychotherapie-Vereinbarung zu bestimmen.

IV. Die Änderung der Richtlinie tritt am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Die Tragenden Gründe zu diesem Beschluss werden auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses unter www.g-ba.de veröffentlicht.

Berlin, den 16. Oktober 2014

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss
gemäß § 91 SGB V

Der Vorsitzende

Hecken

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