ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2015Sportmedizin: Erhöhter BMI nach Knieverletzungen bei Teenagern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sportmedizin: Erhöhter BMI nach Knieverletzungen bei Teenagern

Gerste, Ronald D.

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Sport zu treiben, vor allem Mannschaftssport, geht bei jungen Mädchen nach einer Studie aus dem Jahr 2008 geradezu dosisabhängig mit einer Reduzierung der vor dem TV verbrachten Freizeit und mit einem relativ zu physisch inaktiven Gleichaltrigen reduzierten Body Mass Index (BMI) einher. Bei plötzlichem Sistieren der sportlichen Aktivitäten, zum Beispiel aufgrund einer Verletzung, droht nach Einschätzung von Experten eine „negative Spirale des Disengagement“, bei der weniger Bewegung mit reduzierter kardiorespiratorischer Fitness und einer erhöhten Neigung zur Adipositas assoziiert ist.

Diese Vorstellung wird jetzt von einer Studie aus Cincinnati ansatzweise bestätigt, bei der 352 in ihren Schulen Basketball oder Fußball (Soccer) spielende Mädchen über ein Jahr auf verschiedene Parameter, darunter BMI und Körperzusammensetzung (vor allem der prozentuale Fettanteil) untersucht wurden. 80 Mädchen waren präpubertär, 131 pubertär und 141 postpubertär. 71 der in ihren Middle oder High Schools diese Mannschaftssportarten betreibenden Mädchen erlitten im Beobachtungszeitraum Knieverletzungen; diese sind bei heranwachsenden Mädchen offenbar 2- bis 10-mal häufiger als bei Jungen. Im Jahr nach der Knieverletzung nahm der BMIZ (ein z-Score über null weist auf einen größeren BMI als eine alters- und geschlechtsgematchte Gruppe aus der Allgemeinbevölkerung hin) im Schnitt signifikant bei den nun nicht mehr Basket- oder Fussball spielenden Mädchen um durchschnittlich 0,04 zu, während er bei den nicht verletzten Gleichaltrigen um –0,014 abnahm. Bei den Verletzten nahm auch der Anteil des Fetts an der Gesamtkörpermasse 1,37 % gegenüber den weiter Sporttreibenden mit 0,56 % zu.

Fazit: „Die Studie unterstreicht, dass körperliche Unversehrtheit eine Grundvoraussetzung für sportliche Aktivitäten und adäquate Gewichtskontrolle ist“, kommentiert Prof. Dr. med. Peer Eysel, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der Universität Köln. „Eine erhebliche Schwäche der Studie besteht darin, dass die Knieverletzungen der jungen Sportlerinnen nicht dezidiert genannt werden und vielmehr sämtliche das Kniegelenk betreffende Schmerzhaftigkeiten als Knieverletzung gewertet wurden.“ Vor allem bei Bandverletzungen am Kniegelenk sei häufig eine bis zu 6-monatige Sportpause notwendig, so dass eine Gewichtszunahme in dem limitierten Zeitraum von 12 Monaten durchaus als normal zu werten sei. Auch Teamsportler seien in einer Verletzungspause nur schwer zu Fitnessübungen zu motivieren. Eysel: „Ich würde die Aussage der Studie als ein zu erwartendes, normales Phänomen nach Kniegelenksverletzung werten.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Myer GD, et al.: Injury initiates unfavourable weight gain and obesity markers in youth. Br J Sports Med 2014; 48: 1477–81.

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