ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2015Impfspray für Kinder und Jugendliche: Der Influenza eine Nasenlänge voraus

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Impfspray für Kinder und Jugendliche: Der Influenza eine Nasenlänge voraus

Mosler, Nana

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Influenzavirus: Viele Kinder sind nicht durch eine Impfung vor einer Infektion geschützt. Abbildung: picture alliance/science photo
Influenzavirus: Viele Kinder sind nicht durch eine Impfung vor einer Infektion geschützt. Abbildung: picture alliance/science photo

Die einfache nasale Applikation von Impfstoffen könnte helfen, die Vakzineraten bei Kindern und Jugendlichen zu steigern.

Für die kommende Grippesaison steht der nasal zu applizierende, tetravalente Lebendimpfstoff FluenzTM Tetra zur Verfügung und löst damit Fluenz® ab. Das Influenza-Impfspray enthält beide B-Stämme und ist für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren zugelassen.

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Konventionelle Grippeimpfstoffe erreichen bei Kindern bislang nur eine Schutzrate von 48 Prozent. Gegen das mutationsfreudige Influenzavirus sind nach Prof. Dr. med. Ulrich Baumann, Medizinische Hochschule Hannover, „bessere“ Impfstoffe gefragt: Diese sind tetravalente Lebendvakzine und beinhalten jeweils zwei Influenza A- (H1N1 und H3N2) und zwei Influenza-B-Stämme (Yamagata und Victoria).

Kinder, die zuvor noch nie gegen Influenza geimpft wurden, sollten in der ersten Saison zweimal im Abstand von mindestens vier Wochen geimpft werden. FluenzTM Tetra imitiert dabei den Weg, den auch das natürliche Virus zur Infektion nutzt, und aktiviert per Sprühstoß von 0,1 ml in jedes Nasenloch die Immunabwehr des Kindes. Dabei werden eine humorale sowie T-Zell-vermittelte Antwort aufgebaut. Dagegen aktiviert die konventionelle Impfung in den Oberarm nicht das Immunsystem der Schleimhäute. So belegt nach Baumann der Vergleich nasale gegenüber konventioneller Applikation für 8 352 Kinder, dass der nasale Lebendimpfstoff nahezu doppelt so gut abschneidet und fast fünf Prozent weniger Grippe-Erkrankungen resultieren. Vermehrungsfähig ist die Influenza-Lebendvakzine nur im kühleren Nasen-Rachen-Raum, kann nicht krank machen und verliert bei höheren Temperaturen zum Beispiel in den tiefen Atemwegen ihre Aktivität. Die Schutzrate beträgt nun 83 Prozent versus Placebo (n = 4 889).

Das Impfspray darf man nicht bei Kindern anwenden, die an einem schweren, unkontrollierten Asthma, Immundefekten oder einer Hühnereiweiß-Allergie leiden oder Salizylate erhalten.

Prof. Dr. med. Markus Knuf von den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden erinnerte daran, dass ein Kleinkind virusbedingt ein 1 mm dickes Ödem im Bereich des Ringknorpels entwickelt und sein Atemwegswiderstand dadurch 16-fach erhöht ist. Komplikationen wie Fieberkrampf, sekundär bakterielle Myokarditis oder Enzephalitis sind keine Seltenheit. Die Hospitalisierungsrate bei Kleinkindern zwischen null bis vier Jahren ist daher fast dreimal so hoch wie in anderen Altersgruppen.

Impfung bei Kindern auch zum Schutz der Bevölkerung

Kleinkinder sind immunologisch zu naiv. Möchte man die „echte“ Grippe in der Bevölkerung zurückdrängen, sollte man mit der Impfung der Kinder beginnen. Knuf kritisiert daher die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), nur bei Kindern mit Grunderkrankungen im Alter von zwei bis sechs Jahren bevorzugt den Lebendimpfstoff einzusetzen. Das reiche nicht aus, weil nahezu 50 Prozent der an Influenza (schwer) erkrankten Kinder und Jugendlichen keine Risikofaktoren aufweisen. US-Amerikaner legten eine Impfquote im Jahr 2012/ 2013 von 60 Prozent vor. Jetzt könnte der Impfstoff, der schmerzlos als Nasenspray anzuwenden ist, einen Beitrag dazu leisten, die nahezu völlig unzureichende Impfquote von fünf Prozent in Deutschland zu steigern, so Knuf.

Influenza-Infektionen häufig unterschätzt

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. med. Wolfram Hartmann, Kreuztal, ergänzte, dass eine Impfempfehlung der STIKO für alle Kinder bewirken würde, dass die Kostenerstattung gesichert ist. Pädiater haben große Schwierigkeiten, Eltern von der Notwendigkeit einer Impfung zu überzeugen. Oftmals würden Influenzainfektionen unterschätzt.

Im Allgemeinen beginnt die Grippe schlagartig mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Der Leidensdruck ist vor allem bei kleinen Kindern hoch. Die Erkrankungsrate bei Klein- und Schulkindern liegt je nach Ausprägung der Grippewelle bei 20 bis 30 Prozent – teilweise mit schweren Verläufen. Und dies betrifft nicht nur Kinder mit chronischen Erkrankungen, denn circa 50 Prozent der Kinder, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, sind gesunde Kinder ohne Vorerkrankung. „Influenza-Viren sind eine der häufigsten Ursachen für schwere Atemwegsinfektionen im Kindesalter.“

Dr. med. Nana Mosler

Fachpressekonferenz anlässlich der 110. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Leipzig: Influenzaschutz für Kinder: Bessere Impfstoffe, neue Konzepte. Veranstalter: AstraZeneca GmbH

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