ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2015Schach: Goethe in Regensburg

SCHLUSSPUNKT

Schach: Goethe in Regensburg

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Regensburg ist unzweifelhaft eine sehr schöne mittelalterliche Stadt. Seine Wertschätzung geht so weit, dass es vor Jahr und Tag sogar zur Kulturhauptstadt Bayerns vor Bamberg gewählt wurde, was dessen Einwohner zwar ungläubig staunend, aber doch ergeben in Gottes und der Menschen unerklärliche Ratschlüsse hinnahmen.

Doch Regensburg ist nicht nur schön, sondern auch schlau. Was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass zweien ihrer dem klassischen Bildungsideal verpflichteten höheren Schulen, dem Albertus Magnus-Gymnasium und dem Goethe-Gymnasium, in den letzten Jahren der Ehrentitel „Deutsche Schachschule“ verliehen wurde. Worauf beide die vorzügliche Idee hatten, mich zu einem Vortrag nebst Simultanspiel einzuladen. Für einen, der vor Urzeiten Direktoratsarrest und Entlassungsandrohung des Clavius-Gymnasiums in Bamberg irgendwie überlebte, ein besonderes Vergnügen. Übrigens kam beim Direktoratsarrest zufällig der stellvertretende Schulleiter und leidenschaftliche Schachspieler Anton Mägerlein dazu und ließ mich statt irgendeiner stumpfsinnigen Strafarbeit Schachaufgaben lösen – man sieht, wie einen die Segnungen des Schachs durch das ganze Leben begleiten können.

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Als ich beim letzten Ärzteschachturnier gegenüber Dr. med. Gunnar Riemer erwähnte, dass ich einige Tage später zum Goethe-Gymnasium in Regensburg führe, rief er erfreut: „Meine alte Schule!“ Nun war dieser Weltenbummler vor dem Herrn, der nach Jahren in Norwegen – wo er sich seltenen neurologischen Erkrankungen widmete und davon auch im Deutschen Ärzteblatt (Heft 50 am 14. Dezember 2012) berichtete – inzwischen in Berlin angekommen ist, auch fünf Jahre in Teheran zur Schule gegangen (siehe auch die Schachspalte im Deutschen Ärzteblatt vom 31. Januar 2014), bevor des Schicksals und der Eltern Wege ihn nach Regensburg ans Goethe-Gymnasium führten. Um gleich den Vorschlag zu machen: „Vielleicht kann da meine noch in Regensburg lebende Mutter mitspielen?!“ Wohlwollendes Plazet des Gymnasiums.

Und so kam es, dass Dr. Riemers 80-jährige Mutter mit ihrem Fahrrad zur gleichen Zeit wie ich am Portal des Gymnasiums auftauchte und wir gemeinsam die heiligen Hallen betraten.

Und hoffentlich schrieb sie ihrem Sohn nach unserer Partie ähnlich wie einst Goethes Mutter an Rat Crespel: „Wir haben jetzt ein groß gaudium am Schachspiel, lachen was rechts über den Matzbumbes von König, den jeder laffe Schach machen kann.“

Ich hoffe und glaube, dass die Schüler mitsamt ihrer kurzzeitigen Mitschülerin Frau Riemer, die recht einfallsreich spielte, auch ein Gaudium am Schachspiel hatten und über den Nachmittag nicht nur ernst-bedeutungsvolle Worte wie einst der Geheimrat selbst fanden: „Schach ist ein Probierstein des Gehirns.“ Für mich jedenfalls war es darüber hinaus rundum vergnüglich, selbst als mich der hochbegabte Schlingel Cedric Obermeier in einem Endspiel niederrang. Nun bin ich wahrlich kein Einzelfall, bei der Oberpfälzischen Meisterschaft 2014 gelang ihm gegen Eva Beilschmidt eine durchschlagende Kombination.

Mit welch mutigem Einschlag erreichte Cedric als Weißer siegbringenden Vorteil?

Lösung:

Nach des Springers Kamikaze 1. Sxc7! lehnte die Schwarze das Opfer mit 1. . . . Txe3 2. fxe3 Dc5 3. Sd5 ab, stand aber wegen der Qualität (Turm für Läufer) weniger auf Verlust. Allerdings hätte es bei der Opferannahme mit 1. . . . Kxc7 wegen 2. c5! dxc5 (2. . . . Kb8 3.cxb6) 3. Txc5+ mit Damenverlust noch übler ausgeschaut. Cave Regensburgs Jung- und Altschüler!

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