ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2015Keratoplastik: Gute Ergebnisse nach Hornhautendotheltransplantation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Keratoplastik: Gute Ergebnisse nach Hornhautendotheltransplantation

Gerste, Ronald D.

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Die Keratoplastik (Hornhauttransplantation) ist ein invasiver ophthalmologischer Eingriff, bei dem ein komplettes Scheibchen Hornhaut beim Empfängerauge ausgestanzt und durch ein entsprechend großes von einem Spenderauge ersetzt wird. Abstoßungsreaktionen, Eintrübungen und hoher Astigmatismus gehören zu den potenziellen Komplikationen dieser alle Hornhautschichten umfassenden „perforierenden“ Keratoplastik.

Mit verfeinerten operativen Techniken ist es in den letzten Jahren möglich geworden, bei Erkrankungen, die nur das nach innen, der Vorderkammer zugewandt liegende Endothel betreffen, nur die entsprechenden Schichten zu transplantieren. Im Rahmen einer solchen Descemet stripping endothelial keratoplasty (DSEK) wird Hornhautendothel mit Descemetmembran durch eine kleine Öffnung in die Vorderkammer eingebracht und nach Entfernung der entsprechenden Schicht beim Empfänger von hinten dem Hornhautstroma angelegt. Dieses bleibt ebenso wie das Epithel (die äußere Zelllage) bestehen, das Auge wird also nur minimal eröffnet. Die Methode eignet sich für pathologische Prozesse, die auf das Endothel beschränkt sind wie die Fuchs-Dystrophie und die bullöse Keratopathie. An diesen beiden mit Trübungen und damit Visusverlust einhergehenden Erkrankungen litten die 275 Augen, über die jetzt in einer der bislang größten Multizenterstudien zur DMEK mit 18 teilnehmenden Ophthalmochirurgen aus 11 Ländern berichtet wurde. Funktionell war der Eingriff sehr erfolgreich: bei 93,8 % der Augen kam es zu einer Visusverbesserung, 4,4 % blieben gleich, nur 1,8 % verschlechterten sich. 79 % der Augen hatten einen bestkorrigierten Visus (gegebenenfalls mit Brille) von mindestens 0,5, 42,5 % von mindestens 0,8 und 22,2 % hatten einen vollen Visus von 1,0. Intraoperative Komplikationen, die bei dieser nicht einfachen Technik von den beteiligten Operateuren berichtet wurden, waren Probleme bei der Entrollung oder Positionierung des Transplantes (1,2 %) und intraoperative Blutungen (0,5 %). Postoperativ war die Ablösung des nur wenige Mikrometer dünnen Transplantats die häufigste Komplikation (34,6 %) – das Scheibchen wird während des Eingriffes mit hinter das Transplantat injizierter Luft an die Hornhaut gepresst. Bei einer Lösung muss ein „Re-bubbling“ erfolgen.

Visus nach Transplantation von Hornhautendothel plus Descemetmembran
Grafik
Visus nach Transplantation von Hornhautendothel plus Descemetmembran

Fazit: Die Transplantation von Hornhautendothel mit Descemet-membran führt bei der Mehrheit der Patienten zu einer deutlichen Visusverbesserung. „Die Studie belegt, dass dieses noch relativ junge Verfahren von entsprechend erfahrenen Hornhautoperateuren erfolgreich erlernt werden kann“, kommentiert Prof. Dr. med. Gerd Geerling, Direktor der Universitätsaugenklinik Düsseldorf. Mit zunehmender Erfahrung sinke die Rate der Komplikationen, und deshalb sei eine Konzentration dieser Technik auf entsprechend erfahrene Zentren sinnvoll. Dr. med. Ronald D. Gerste

Monnereau C, et al.: Multicenter Study of Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty First Case Series of 18 Surgeons. JAMA Ophthalmol 2014; 132: 1192–8.

Visus nach Transplantation von Hornhautendothel plus Descemetmembran
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Visus nach Transplantation von Hornhautendothel plus Descemetmembran

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