ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2015Kassenposition zur Arzneimittelversorgung: Niedrigere Preise, mehr Neutralität

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Kassenposition zur Arzneimittelversorgung: Niedrigere Preise, mehr Neutralität

Osterloh, Falk

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Im Arzneimittelbereich gab es wenig politische Aktivität von Schwarz-Rot. Da die Ausgaben wieder steigen, hat der GKV-Spitzenverband einen Forderungskatalog vorgelegt. Viele Positionen decken sich mit den Forderungen der Ärzte.

Mit einem Medikationsplan sollen alle Arzneimittel erfasst werden, die ein Patient einnimmt.
Mit einem Medikationsplan sollen alle Arzneimittel erfasst werden, die ein Patient einnimmt.

Seit die Bundesregierung mit dem 14. SGB V-Änderungsgesetz vor knapp einem Jahr den Herstellerabschlag auf sieben Prozent festgesetzt und das Preismoratorium bis zum 31. Dezember 2017 verlängert hat, war es still geworden in der Arzneimittelpolitik. Grund dafür war vor allem, dass die Arzneimittelausgaben stabil geblieben sind. Das hat sich nun geändert. 2013 sind die Ausgaben um etwa eine Milliarde auf 30,3 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Grund genug für den GKV-Spitzenverband, neue gesetzgeberische Maßnahmen zu verlangen.

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Hauptsächlich fordert der Verband, dass die nach dem Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) ausgehandelten Erstattungsbeträge für neue Arzneimittel bereits ab dem Tag der Zulassung gelten und nicht erst nach einem Jahr. „Wir haben das Gefühl, dass manche Hersteller Mondpreise für ihre neuen Arzneimittel nehmen, weil sie glauben, dadurch bei den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband in eine bessere Position zu gelangen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, Ende Januar in Berlin. „Deshalb fordern wir, dass der ausgehandelte Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem Marktzugang des Arzneimittels gilt.“

AMNOG hat im Jahr 2014 450 Millionen Euro eingespart

Durch die Preisverhandlungen seien im Arzneimittelbereich im vergangenen Jahr 450 Millionen Euro eingespart worden, rechnete von Stackelberg vor. Hätte der Erstattungspreis bereits im ersten Jahr gegolten, wären noch etwa 150 Millionen Euro dazugekommen.

Auffällig ist, dass der GKV-Spitzenverband viele Positionen vertritt, die sich mit denen der deutschen Ärzteschaft decken. So kritisiert der Verband, dass die Bundesregierung die Bewertung von Arzneimitteln aus dem Bestandsmarkt aufgegeben hat. Problematisch sei daran, dass heute viele Arzneimittel, die schon seit Jahren auf dem Markt seien, weder auf ihre Qualität geprüft würden noch darauf, ob der Preis auch ihrem Nutzen entspreche.

Wie die Ärzteschaft will auch der GKV-Spitzenverband die Arznei­mittel­therapie­sicherheit stärken. „Deshalb soll eine patientenorientierte Arzneimittelversorgung durch den Arzt noch stärker anhand von evidenzbasierten Leitlinien erfolgen“, fordert der Verband. „Unerwünschte Interaktions- und Arzneimittelwirkungen sollen mit Hilfe eines vom Hausarzt ständig aktualisierten und kontrollierten Medikationsplans auf ein Minimum reduziert werden.“ Ein Medikationsplan wird derzeit in dem Modellprojekt ARMIN in Sachsen und Thüringen erprobt. Neben den Kassenärztlichen Vereinigungen nehmen daran auch die Apothekerverbände der beiden Länder sowie die AOK Plus teil.

Zudem fordert der GKV-Spitzenverband, dass Ärzte neutrale Informationen zu den Arzneimitteln erhalten sollen, die sie verordnen. Derzeit werde das Preis- und Produktverzeichnis von Arzneimitteln durch eine privatrechtliche Gesellschaft seitens der Pharmaindustrie und des Apothekenverbandes organisiert, der „Informationsstelle für Arzneispezialitäten“. „Wir wünschen uns, dass die Grundinformationen zu Arzneimitteln von einer neutralen Stelle kontrolliert werden“, sagte von Stackelberg.

Schließlich sieht auch der GKV-Spitzenverband die Forderung von Apothekerverbänden kritisch, für besondere Leistungen am Patienten gesondert vergütet zu werden – es sei denn, die Apotheker könnten den Zusatznutzen ihrer Tätigkeit belegen. „Das Medikationsmanagement wird derzeit im Einheitlichen Bewertungsmaßstab bereits vergütet“, erläuterte die Leiterin der Abteilung Arznei- und Heilmittel des GKV-Spitzenverbands, Dr. med. Antje Haas. „Wenn der Apotheker auch ein Medikationsmanagement durchführt, dann würden wir das als eine nicht legitime Doppelleistung empfinden.“ Wenn es aber Unterschiede zwischen den beiden Leistungen gebe, könne das anders sein.

Falk Osterloh

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