ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2015Unerwünschte Effekte der Krebstherapie: EGFR-Antikörper erhöhen das Infektionsrisiko

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Unerwünschte Effekte der Krebstherapie: EGFR-Antikörper erhöhen das Infektionsrisiko

Eckert, Nadine

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Monoklonale Antikörper gegen den Epidermal Growth Factor Receptor (EGFR) werden zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen eingesetzt. Nun bestätigen zwei systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen Befunde aus randomisiert-kontrollierten Studien, dass eine Therapie mit den EGFR-Antikörpern Cetuximab und Panitumumab das Risiko für das Auftreten schwerer Infektionen signifikant erhöht. Die Metaanalyse von Qui et al. umfasst 14 066 Patienten aus 26 randomisiert-kontrollierten Studien. Das relative Risiko für schwere Infektionen – vor allem Sepsis, febrile Neutropenie und Pneumonie – lag bei 1,34 (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,10–1,62, p = 0,003). In der etwas mehr Patienten umfassenden Metaanalyse von Funakoshi et al. (28 Studien, 14 957 Patienten) lag das relative Risiko bei 1,49 (95-%-KI: 1,33–1,66; p < 0,001). Nicht alle Tumortypen sind gleich betroffen. Als besonders gefährdet erwiesen sich Patienten mit metastasierten kolorektalen Karzinomen, nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinomen (EGFR-Antikörper sind in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen) und Kopf-Hals-Tumoren. Dies galt auch für Patienten, die gleichzeitig Zytostatika wie Irinotecan oder Cisplatin erhielten. „Der für das Auftreten schwerer Infektionen verantwortliche Mechanismus ist unklar“, erklärt Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, Chefarzt der Klinik für Hämatologie, Abteilung Onkologie und Tumorimmunologie am Helios Klinikum Berlin-Buch. Vermutet wird ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Infektionen und der durch anti-EGFR Antikörper – in Kombination mit Zytostatika – ausgelösten Neutropenie, aber auch eine direkte Beeinflussung der Funktion neutrophiler Granulozyten durch diese Antikörper.

Fazit: Bei der Verordnung von EGFR-Antikörpern wie Cetuximab oder Panitumumab für onkologische Patienten gibt es ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen. „Onkologen sollten dieses Risiko kennen und den Patienten mitteilen“, kommentiert Ludwig. „Bei der Entscheidung für die Verordnung dieser Antikörper zur Behandlung fortgeschrittener Tumorerkrankungen, sollte das Verhältnis von Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden.“ Nadine Eckert

  1. Qi WX, et al: Incidence and risk of severe infections associated with anti-epidermal growth factor receptor monoclonal antibodies in cancer patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Medicine 2014; 12: 203.
  2. Funakoshi T, et al: Infectious complications in cancer patients treated with anti-EGFR monoclonal antibodies cetuximab and panitumumab: A systematic review and meta-analysis. Cancer Treatment Reviews 2014; 40: 1221–9.

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