ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Kassenärzte: Geschlossene und offene Visiere
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Zwei Beiträge sind im DÄ 50/2014 zu lesen, die auf den ersten Blick nichts mit-
einander gemeinsam haben, aber bei näherem Hinsehen die seit Seehofer bestehende desolate Lage des deutschen Kassenarztes offenbaren.

Im Vorwort beschreibt der Chefredakteur Maibach-Nagel die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung, bei der dem Vorstand der KBV gegen das GKV-Versorgungsgesetz „der Rücken gestärkt“ wird.

Tenor: keine „geschlossenen Visiere“, sondern „sachliche Analyse . . . und Verhandlung“.

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Der andere Artikel, die „Glosse“, beschäftigt sich mit der Nutzung von Praxisverwaltungssoftware durch die französischen Ärzte. Tenor: 15 Prozent der Ärzte arbeiten noch mit Papierkarten. Die anderen 85 Prozent der Praxen haben zwar eine Software, nutzen sie aber nicht konsequent genug. Unterschwellig fordert der Kollege Lindemann aus dem Elsaß, die Franzosen mögen es doch bitteschön den deutschen Kollegen gleichtun, wo bekanntermaßen kein Kassenarzt ohne Praxissoftware arbeitet.

Was verbindet diese beiden Beiträge? Das Verbindende ist die unterschiedliche Attitüde der deutschen und französischen Ärzteschaft hinsichtlich ihrer Freiberuflichkeit und Bevormundung durch Krankenkassen und Politik.

Der deutsche Kassenarzt benötigt die Praxissoftware nahezu ausschließlich dazu, das erarbeitete Honorar auch irgendwann einmal auf sein Konto überwiesen zu bekommen. Dabei kann er trotz teurer Zwangs-Software noch nicht einmal den auszuzahlenden Betrag errechnen. Das erledigt eine andere Software, die ihm unzugänglich ist.

Der Arzt in Frankreich hingegen nutzt seine Software – wenn überhaupt – ausschließlich zur Verwaltung seiner Patientenakten und dem leitliniengerechten Behandeln, denn der Patient zahlt die Konsultation cash!

Der deutsche Kassenarzt erfreut sich in Budgetierung, Regelleistungsvolumen und Regress. Er erduldet es, dass er mit seinem Privatvermögen für die Erkrankung seiner Patienten haftet – nichts anderes bedeutet der Begriff „Regress“. Er wartet darauf, dass öffentlich subventionierte MVZ in seiner Nachbarschaft entstehen und ihm eines Tages wirtschaftlich das Wasser abgraben.

Die französischen Ärzte hingegen streiken . . . um sich gegen die Bevormundung durch die Politik und Krankenkasse (Singular!) zu wehren. Sie wollen keine MVZ und sie wollen den Eigenanteil der Patienten erhalten, um zügellose Inanspruchnahme ärztlicher Leistung zu unterbinden.

Französische Ärzte haben das deutsche Beispiel vor Augen und wollen dieses mit aller Macht in ihrem Lande verhindern. Kurzum: Die Franzosen kämpfen mit geschlossenem Visier.

Liebe deutschen Kassenärzte: Fällt Euch etwas auf? Wenn nicht, dann schlaft, diskutiert und verhandelt weiter. So wie ihr es seit Jahren gewohnt seid – mit offenem Visier!

Dr. med. Frank Krimphove, 10627 Berlin

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