ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Gesundheit in Entwicklungsländern: Impfungen für Millionen Kinder

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Gesundheit in Entwicklungsländern: Impfungen für Millionen Kinder

Rieser, Sabine

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Zu Beginn der deutschen G7-Präsidentschaft hat die Bundesregierung ein Zeichen für die Verbesserung der Gesundheit in Entwicklungsländern gesetzt und 600 Millionen Euro für Kinderimpfungen zugesagt. Die Quoten könnten auch hier besser sein.

„Weißhelme“ für globale Krisen im Gesundheitsbereich regte die Kanzlerin an. „Wir brauchen schnell verfügbares medizinisches Personal: Ärzte, Pflegekräfte, die sich bereit erklären, im Krisenfall sofort einsatzfähig zu sein“, sagte Angela Merkel bei der Gavi-Konferenz in Berlin. Foto: dpa
„Weißhelme“ für globale Krisen im Gesundheitsbereich regte die Kanzlerin an. „Wir brauchen schnell verfügbares medizinisches Personal: Ärzte, Pflegekräfte, die sich bereit erklären, im Krisenfall sofort einsatzfähig zu sein“, sagte Angela Merkel bei der Gavi-Konferenz in Berlin. Foto: dpa

Wenn Geld zu verteilen ist, sprechen Minister gern öffentlich darüber. Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) werden ihrem Auftritt bei der Geberkonferenz der globalen Impfallianz Gavi* in Berlin wohl dennoch mit gemischten Gefühlen entgegengesehen haben. Zwar wussten sie, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wenig später den deutschen Beitrag aufstocken würde. Statt 500 werden bis 2020 nun 600 Millionen Euro fließen. Doch die Minister räumten ein, dass Deutschland in Sachen Kinderimpfung selbst noch Verbesserungsbedarf habe. „Unser Ziel ist, damit einer gewissen Impfmüdigkeit entgegenzuwirken“, sagte Gröhe. Konkret sprach er eine ausreichende Masernimmunisierung an. Man wolle alle Krankheiten verhindern, gegen die man Kinder impfen könne, bekräftigte Müller.

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„Reach every child“ – das Ziel der Impfallianz ist somit auch in Deutschland relevant, aber hier sehr viel leichter zu erreichen als anderswo. Gavi hat immerhin sein finanzielles Ziel erreicht. In Berlin kamen Zusagen über 7,54 Milliarden US-Dollar zusammen. Damit will die Allianz bis 2020 Impfungen für 300 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern finanzieren, um sie vor Maserninfektion, Durchfallerkrankung oder Lungenentzündung zu schützen. Mit Hilfe von Gavi, im Jahr 2000 auf Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates entstanden, wurden bislang fast eine halbe Milliarde Kinder geimpft. Gates fördert die öffentlich-private Partnerschaft noch immer, ebenso wie viele Geberländer, Unicef, Welt­gesund­heits­organi­sation, Weltbank und Impfstoffhersteller.

Müller betonte, um die weltweite Kindersterblichkeit zu senken, seien „Impfprogramme nicht das einzige, aber eines der wirksamsten Instrumente“. Die Länder, die Gavi unterstützt, müssen sich an den Kosten der Impfstoffe beteiligen. Diese Kofinanzierung läuft offenbar zuverlässig. Gavi bemüht sich darüber hinaus, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg, Entwicklungsländer zur Stärkung ihrer eigenen Gesundheitssysteme zu motivieren, um langfristige Erfolge für die Kindergesundheit zu erzielen. 

Kritik an hohen Kosten der eingesetzten Impfstoffe

„Gavi hat zudem die Märkte für Impfstoffe positiv beeinflusst“, betonte das Entwicklungshilfeministerium. So seien die Kosten in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken. „Ärzte ohne Grenzen“ hat allerdings kritisiert, dass die vollständige Immunisierung eines Kindes heute 68 Mal so viel koste wie im Jahr 2000. Ein Vertreter der Gavi-Allianz fand, der Vergleich hinke. Heute werde wesentlich umfangreicher geimpft als vor 15 Jahren. Neuere Impfstoffe machten allerdings rund 40 Prozent der Kosten aus. „Wir haben erhebliche Preisreduzierungen erzielt“, so der Gavi-Vertreter. „Wir wissen aber, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.“

Hohe Impfstoffpreise sind nicht die einzige Herausforderung für die globale Impfallianz. „Kinder in abgelegenen Ecken von Afghanistan, Tansania oder anderen Ländern zu impfen, ist wirklich sehr schwierig“, hieß es. Die hierfür nötigen Strukturen aufzubauen bedeute, gemeinsam mit Verantwortlichen vor Ort „sehr dicke Bretter“ zu bohren.

Für Deutschland hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (bvkj) ebenfalls mehr Nachdruck eingefordert. Die im Entwurf des Präventionsgesetzes vorgesehene Impfberatung für Eltern mit Kindern im Kita-Alter reiche nicht aus. „Der Beratungspflicht muss eine Impfpflicht folgen, wenn das Kind eine öffentliche Einrichtung besuchen soll. Anders geht es nicht“, befand bvkj-Präsident Dr. med. Wolfram Hartmann.

Sabine Rieser

* Global Alliance for Vaccines and Immunisation

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