ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Arbeitsmotivation: Wichtig ist ein harmonisches Arbeitsklima

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Arbeitsmotivation: Wichtig ist ein harmonisches Arbeitsklima

Dtsch Arztebl 2015; 112(6): [2]

Madel, Michael

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Wie es gelingen kann, in Klinik oder Praxis mit Hilfe einer positiven Führungskultur eine gute Arbeitsatmosphäre zwischen allen Mitarbeitern herzustellen.

Foto: Can Stock Photo/tatsianama
Foto: Can Stock Photo/tatsianama

Es ist vor allem die positive Führungskultur, die für ein harmonisches Arbeitsklima sorgt. Das ist zumindest eines der Ergebnisse einer Studie des Personaldienstleisters Manpower Group, die unter dem Titel „Arbeitsmotivation 2014“ bekannt ist. Die Studie konnte nachweisen, dass das Arbeitsklima ein wirkungsvoller Hebel ist, um die Motivation der Mitarbeiter hochzuhalten. Arbeitsklima und Motivation sind zwar abhängig vom Gehalt (wer hier unzufrieden ist, dem fällt es schwer, seinen Aufgaben engagiert nachzukommen), daneben gibt es aber weitere Motivationstreiber.

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Die Frage, wer zuallererst für die positive Führungskultur und damit das gute Arbeitsklima verantwortlich ist, beantwortet der Blick des Arztes in den Spiegel. Soll heißen: Jeder Arzt sollte sich die selbstkritische Frage stellen, welche Veränderungen er in seiner Führungsarbeit und in seinem Verhalten gegenüber den Mitarbeitern vornehmen sollte, um das Arbeitsverhältnis zu und zwischen ihnen zu verbessern.

Entscheidend ist die Vorbildwirkung. Wer sich glaubhaft um ein gutes Arbeitsverhältnis zu den Mitarbeitern bemüht, empfiehlt dieses Verhalten zur Nachahmung. Doch welche konkreten Handlungen und Aktivitäten sind dazu notwendig?

  • Wertschätzung – der Faktor Mensch. Es klingt einfach und ist doch im hektischen Berufsalltag so schwer umzusetzen: Wer Leistung fordert, muss Sinn bieten und den Mitarbeitern mit Wertschätzung und Respekt begegnen.

Entscheidend für Führungskräfte ist es, auf Mitarbeiterseite Überforderung und Unterforderung zu vermeiden. Ansonsten kommt es durch das permanente Gefühl, der Arbeit nicht gerecht zu werden und an den Grenzen der Leistungsfähigkeit zu kämpfen, im schlimmsten Fall zum Burn-out. Wenn die Herausforderungen am Arbeitsplatz überhandnehmen, so dass sie die Kompetenzen eines Menschen bei Weitem übersteigen, drohen die ständige Überlastung und schließlich die Erschöpfung. Am anderen Ende der Skala wartet die Unterforderung: Der Mitarbeiter ist nicht ausgelastet oder gar überqualifiziert. Er langweilt sich, ist desinteressiert, schlägt die Zeit tot und versucht, den Acht-Stunden-Alltag mit Aufgaben zu füllen, die er in einem Bruchteil der Zeit bearbeiten könnte. In beiden Fällen könnte die Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Studie der Manpower Group betont, dass die betriebliche Gesund­heits­förder­ung hier eine Lösungsmöglichkeit sein könnte.

Selbst eine als zu hoch empfundene Arbeitsbelastung wird in einem positiven Arbeitsklima mit partnerschaftlicher Führung zumeist weniger als Beeinträchtigung erlebt, sondern eher als notwendige Begleiterscheinung des gemeinsamen Ziels, dem Patienten zu dienen und die Zukunftsfähigkeit der Praxis oder der Klinik zu sichern. Trotzdem sollte die Führungskraft jede Option nutzen, um Über- und Unterforderung zu vermeiden und dafür Sorge zu tragen, dass Mitarbeiter sich mit Aufgaben beschäftigen, die ihrem Qualifikationsgrad und ihren Kompetenzen entsprechen.

  • Der gute Kontakt nach Feierabend. Die Studie „Arbeitsmotivation 2014“ hebt auch Faktoren hervor, auf die Führungskräfte nur bedingt Einfluss nehmen können, die aber als Top-Motivatoren zu einem guten Arbeitsklima führen. Dazu gehört der gute Kontakt nach Feierabend. Was hindert eine Führungskraft daran, die Einrichtung zum Beispiel eines Stammtischs wenigstens anzuregen? Noch besser ist es, in einer Mitarbeitersitzung die Frage aufzuwerfen, wie sich nach Meinung der Mitarbeiter das kollegiale Verhältnis optimieren lässt und dann darauf zu warten, dass jener Vorschlag, sich außerhalb des eigentlichen Arbeitsplatzes zusammenzusetzen, in der Runde vorgeschlagen wird.
  • Kleine Aufmerksamkeiten erhöhen die Motivation. Die Studie belegt zwar: Das Motivationsranking wird angeführt von Faktoren, die auf dem Respekt und der Wertschätzung der Chefs basieren. Doch das Arbeitsklima zwischen den Mitarbeitern und zwischen Führungskräften und Mitarbeitern kann auch mit Hilfe eher kleiner und unscheinbarer Aufmerksamkeiten aufgehellt werden, die sich mit relativ wenig Aufwand realisieren lassen. Die Studie nennt die ansprechende Raumgestaltung, wobei nicht immer die teure Renovierung gemeint ist, sondern die Aufhellung des Aufenthaltsraumes durch einen neuen Anstrich oder Wandbilder.

Vielleicht lohnt es sich, wiederum unkonventionelle Wege einzuschlagen und „nach Feierabend“ den Aufenthaltsraum selbst zu streichen oder die Mitarbeiter zu bitten, den Raum durch eigene Bilder zu verschönern. Zu den „kleinen“ Motivationstreibern mit großer Wirkung gehört laut Studie auch, die Mitarbeiter kostenfrei mit Getränken zu versorgen, die Raumoptik und Raumatmosphäre durch Pflanzen zu verbessern und immer wieder die Wertschätzung der Mitarbeiter unter Beweis zu stellen. Die Führungskraft könnte sich zum Beispiel nach dem Geburtstag des Sohnes erkundigen oder nachfragen, wie die Abiturprüfung der Tochter abgelaufen ist.

  • Unterschiedliche Bedürfnisse – mehrere Chancen. Die Studie beweist, wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind, wenn es darum geht, ein harmonisches und motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits ist es schwierig, auf die Erwartungen und Wünsche aller Mitarbeiter gleichermaßen einzugehen. Auf der anderen Seite eröffnen sich so zahlreiche Möglichkeiten, ein gutes Arbeitsklima herbeizuführen. In der eigenen Praxis verfügt der Arzt natürlich über größere Einflussmöglichkeiten als in der Klinik, in der bei einigen Aktivitäten gewiss Rücksprache mit der Verwaltung gehalten werden muss.

Dr. Michael Madel

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