ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015KBV: Fragwürdige Diskussion
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Die Diskussionen im Rahmen der eingangs genannten Vertreterversammlung erscheinen als ein vorläufiger Höhepunkt in einer fragwürdigen Diskussion, den maßgebliche Vertreter der deutschen Ärzte um die Strukturen im Gesundheitswesen führen. Fragwürdig deshalb, weil hierbei die Probleme der Patienten in der ärztlichen Versorgung entweder nicht wahrgenommen, nicht verstanden oder als lästig empfunden werden. Von Patientenzentriertheit, einem in jüngster Vergangenheit gern bemühten Schlagwort, kann jedenfalls in keinem der angeführten Diskussionsbeiträge gesprochen
werden.

Als Patient, der in einer in mehreren medizinischen Sparten unterversorgten Region lebt, wäre es mir sehr recht, wenn sich Krankenhäuser für eine ambulante Versorgung öffnen. De facto handeln viele Menschen doch schon so, indem sie statt zum niedergelassenen Arzt gleich in die Notaufnahme gehen . . . Auch spricht doch nichts gegen die Einrichtung medizinischer Versorgungszentren, wenn es die Selbstverwaltung der Ärzte nicht vermag, ärztliche Unterversorgung nachhaltig abzubauen.

Erstaunlich ist das Wettern gegen die Einrichtung von Terminservicestellen mit dem Argument, die freie Arztwahl werde ausgehebelt. Die gibt es in ihrer reinen Form, zumindest in Ostdeutschland, doch schon lange nicht mehr. Die Beispiele, dass Fach- wie auch Allgemeinarztpraxen wegen Überlastung keine neuen Patienten annehmen, sind zahllos; Wartezeiten von drei und mehr Monaten auf einen Termin bei Fachärzten in bestimmten Regionen hinlänglich und zahlreich bekannt. Wer also erst in der vierten, fünften oder wer weiß wievielten Praxis eine Behandlungsmöglichkeit erhält, dem muss die freie Arztwahl zwangsläufig gleichgültig sein. Es sei der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass das Ausweichen in ein überversorgtes Gebiet kaum eine Option darstellt – rein entfernungsbedingt betrachtet . . .

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Martin Hartzendorf, 09337 Bernsdorf

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