ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Ausbildung: Psychotherapeut hat keinen Anspruch auf Entgelt

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Ausbildung: Psychotherapeut hat keinen Anspruch auf Entgelt

Berner, Barbara

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Ein Psychotherapeut im praktischen Jahr hat keinen Anspruch auf ein Entgelt. Das hat das Arbeitsgericht Köln entschieden. Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten verlangt den Nachweis von 1 800 Stunden praktischer Tätigkeit. Der Kläger, ein promovierter Diplompsychologe, hatte diese Stunden in einer Klinik absolviert und mit dem Träger darüber eine Vereinbarung geschlossen. § 2 dieser Vereinbarung besagte, dass gegenseitige arbeitsvertragliche Verpflichtungen nicht begründet würden, insbesondere dass der Aufenthalt des Psychologen in der Klinik für beide Seiten unentgeltlich sei. Der Kläger hielt diese Vereinbarung für unwirksam, da er nach seiner Auffassung erhebliche eigenständige und für die Beklagte wirtschaftlich verwertbare Leistung erbracht hat.

Das Arbeitsgericht wies den Vergütungsanspruch des Klägers zurück. Er habe zwar Tätigkeiten wie ein angestellter Psychotherapeut ausgeübt, dies aber stets in Begleitung durch andere Psychotherapeuten, unter regelmäßiger öffentlicher Supervision und ohne eigene Fallverantwortung. Deshalb stehe hier die Ausbildung im Vordergrund. Leistungen aber, die vorrangig der Ausbildung dienten und nicht überwiegend im betrieblichen Interesse seien, dürften vereinbarungsgemäß ohne Vergütung erbracht werden, entschied das Gericht.

Die Vereinbarung verstoße auch nicht gegen die guten Sitten (§ 138 BGB). Zwar entspreche es der herrschenden Auffassung, dass auch ein Praktikant eine übliche Vergütung verlangen könne, wenn er über einen längeren Zeitraum Leistungen erbringe, die im betrieblichen Interesse lägen. Dies gelte jedoch nicht für den Fall, dass diese Leistungen vorrangig Aus- und Fortbildungszwecken dienten, so das Arbeitsgericht. Nach der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten diene die praktische Tätigkeit dem Erwerb praktischer Erfahrungen in der Behandlung von Störungen mit Krankheitswert. Kern der psychotherapeutischen Tätigkeit sei das Führen von Therapiegesprächen. Im Rahmen der Ausbildung sei es daher erforderlich, dass angehende Psychotherapeuten selbst „aktiv“ würden und solche Therapiegespräche führten. Dass der Kläger dabei jede Woche zwei Stunden Supervision erhalten hat, stellt nach Auffassung des Gerichts ein Indiz dafür dar, dass dessen Tätigkeit im Wesentlichen der Ausbildung diente. Die Klage wurde abgewiesen.

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Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 18. September 2014, Az.: 11 Ca 10331/13 RAin Barbara Berner

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