ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Public Health: Nichts Neues
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Nachdem ich den Artikel über Public Health dreimal gelesen und erst danach verstanden habe . . . deuchte mich, ich kennte das alles schon. Dass Gesundheit mehr ist als Abwesenheit von Krankheit und eine Ansammlung zufriedenstellender Normwerte, ist ja nun nicht neu, und dass der Staat auch für die Volksgesundheit Verantwortung tragen soll ebenso wenig, dafür braucht es keine Wortungetüme aus irgendeinem Think-tank . . .

Dass die Sache mit der Volksgesundheit noch nie funktioniert hat, wissen wir auch allmählich: Trotz umfassender Aufklärung über gesunde Ernährung sah man noch nie so viele Döner-Wampen im Straßenbild, trotz Wissen um den menschlichen Biorhythmus haut uns die Arbeitswelt nach wie vor zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett und versagt uns den medizinisch empfohlenen Mittagsschlaf, die Anzahl der Burn-out-Erkrankungen und Depressionen steigt, die Kinder werden immer dicker und kränker, und jedes Jahr wird ein Heer von smartphonewischenden Zombies auf der Flucht vor der gnadenlosen Leistungsmaschinerie der Schulen ins Berufsleben entlassen. Das wussten wir aber auch schon, bevor ein Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik gefordert wurde, der das Humanvermögen als legitimatorische Grundlage . . . äh . . . hm . . . Dings! . . . einführt! Oder so!

Was zu einem gelingenden Leben in dieser stark menschelnden Welt alles an Fähigkeiten vonnöten ist – und das ist nicht wenig – hat Sigmund Freud in seiner Lehre von den Ich-Funktionen hinreichend beschrieben (Triebaufschub, Frustrationstoleranz, Einfühlung in den anderen, Sublimationsfähigkeit und vieles mehr) . . .

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Wer dieses „Humanvermögen“ erreicht hat, kann sich glücklich schätzen und wird die Ziele, die Freud unter „uneingeschränkte Liebes- und Arbeitsfähigkeit“ etwas grob zusammengefasst hat, vermutlich erreichen, wenn ihm das Leben nicht ein ganz großes Bein stellt. Bitte dortselbst nachlesen, bringt sicher mehr Information und Freude als dergestalte Seminararbeiten, die dem Leben in seiner Eigensinnigkeit nun so gar keine Rechnung tragen wollen.

Dipl.-Psych. Ursula Mayr, 83236 Übersee am Chiemsee

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